Dautphetal-Buchenau Der evangelische Kindergarten Buchenau ohne Marie-Luise Bernshausen – das war bisher vollkommen unvorstellbar. Seit die Einrichtung vor 44 Jahren eröffnet wurde, hatte sie deren Leitung inne. Als “letzte Frau der ersten Stunde” ist Bernshausen nun von den Kindern, ihren Kolleginnen und Eltern in den Ruhestand verabschiedet worden.

In den vergangenen Wochen habe ein Schild mit der Aufschrift „Eintritt für Frau Bernshausen verboten“ an einer der Türen des Kindergartens gehangen, berichtete Pfarrer Paul-Ulrich Rabe. Dahinter seien umfangreiche Vorbereitungen für die Abschiedsfeier getroffen und Geschenke gebastelt worden. Sie „auszusperren“ war aber keine Respektlosigkeit gegenüber der scheidenden Leiterin, sondern bringe die Wertschätzung der Kinder und anderen Erzieherinnen gegenüber ihrer Chefin zum Ausdruck.

Die Kinder haben ihrer „Chefin“ zum Abschied einen Regenschirm mit ihren Portraits und lauter kleinen Geschenken überreicht. (Foto: Sascha Valentin)

Hinter der verschlossenen hatten die Kinder etwa mit ihren Händen ein riesiges Herz geformt, das sie „Frau Bernsi“ zum Abschied in Form eines großen Fotos ebenso mit auf den Weg gaben wie einen Regenschirm voller Geschenke, auf dem sich jedes Kind mit einem selbstgemalten Portrait verewigt hatte. Bei der Abschiedsfeier schickten die Knirpse zudem in einem Anspiel einen Bummelzug auf die Reise – symbolisch für das entschleunigte Leben, das Bernshausen im Ruhestand genießen kann.

Marie-Luise Bernshausen ist von der Fülle an Idee, die Kinder und Kolleginnen vorbereitet haben, überrascht und erfreut. (Foto: Sascha Valentin)

„Mit Kindern zu arbeiten, ist das schönste Geschenk“, stellte daraufhin auch Bürgermeister Bernd Schmidt (FW) fest. Etliche Eltern seien heute bei der Verabschiedung zugegen, die als Kinder selbst von Bernshausen betreut wurden und nun eigene Kinder in der Einrichtung hätten. Ulrich Seibel, Leiter der Agentur KiTa3K, ergänzte, dass die Arbeit im Kindergarten für Bernshausen kein Job, sondern eine Berufung war. „Wenn man hier rein kam, spürte man immer die Seele und Stimmung, die dieses Haus geprägt haben“, betonte er. Das sei ein Verdienst der steten Freundlichkeit Bernshausens gewesen.

Besondere Überraschung von den Eltern: Die Kinder haben mit ihren Händen ein großes Herz als Dankeschön an Marie-Lusie Bernshausen geformt. (Foto: Sascha Valentin)

Pfarrer Rabe ergänzte die Eigenschaften der Leiterin schließlich noch um Durchhaltevermögen und Verlässlichkeit und stellte fest, dass bei ihr, frei nach US-Präsident Donald Trump, getreu dem Leitspruch „Children First“ stets die Kinder an erster Stelle gestanden hätten. Zu den weiteren Gratulanten zählten die Elternvertreter, die Erzieherinnen, Dorothee Schmidt, die als Leiterin der benachbarten Grundschule ein Geschenk von den ehemaligen Kindergartenkindern mitgebracht hatte, sowie Ulrike Lemmrich-Dersch. Sie leitete bisher die Kinderkrippe „Rothkehlchen“ und wird nun Bernshausen im Amt beerben.

Die Kindergartenknirpse verabschieden sich mit einem Medley an Kindernliedern aus vier Jahrzehnten Kindergartengeschichte von ihrer „Frau Bernsi“. (Foto: Sascha Valentin)

Zuletzt wendete sich dann Marie-Luise Bernshausen mit einem Zitat des französischen Autos Antoine de Saint-Exupéry an ihre Gäste: „Die Größe eines Berufs besteht darin, Menschen zusammen zu bringen.“ Das sei ihr immer besonders wichtig gewesen. Die vielfältigen und spannenden Aufgabe, die sie dabei erledigt habe, werden ihr fehlen, sagte Bernshausen. Aber sie könne sicher sein, dass auch ihre Kolleginnen künftig stets nach demselben Motiv handelten, wie sie es stets getan habe: Das Wohl der Kinder zu fördern. (val)