DEKANAT. Die erste „Nacht der offenen Kirchen“ im fusionierten Evangelischen Dekanat Biedenkopf-Gladenbach war ein voller Erfolg: In den geöffneten Gotteshäusern im oberen Edertal und im Hinterland zählten die beteiligten Kirchengemeinden insgesamt mehrere hundert Besucher bei Gottesdiensten und Konzerten sowie in den für Andacht, Stille und Gebet geöffneten Kirchen.

“Wir können nur empfehlen, sich ins Auto zu setzen und mehrere Kirchen zu besuchen”, berichtete ein Ehepaar, das aus Biedenkopf in die nur von Kerzen erleuchtete kleine Kirche in Hatzfeld-Lindenhof gekommen war. Hier konnte man ein Licht auf den Altar stellen, im Gebet verharren und die besondere Atmosphäre des Raumes in sich aufnehmen.

Stille und Andacht: Die kleine Kirche in Lindenhof war erstmals zu einer „Nacht der offenen Kirchen“ geöffnet. (Foto: Kordesch/eöa)

Zuvor hatten die beiden schon das gut einstündige Konzert der aus Niederasphe stammenden Band “Leuchtfeuer” in Hatzfeld-Holzhausen besucht. “Von hier wollen wir weiter nach Breidenbach-Wiesenbach, da gibt es immer zur vollen Stunde Musik und Lesungen, außerdem ist die Kirche von außen angestrahlt”, erzählen sie. “Leider schaffen wir es nicht zur Hatzfelder Emmauskapelle, da ist heute die über 300 Jahre alte Rindt-Orgel zu hören”, bedauern sie.

Mit christlichen Pop-Balladen und nachdenklichen Texten bei Kerzenscheind begeisterte die Niederaspher Band “Leuchtfeuer” in Hatzfeld-Holzhausen rund 40 Zuhörer. (Foto: Kordesch/eöa)

“Viele der beteiligten Kirchengemeinden haben jeweils zur vollen Stunde eine kurze Andacht, eine musikalische Impression oder eine andere Aktion angeboten, so dass der Wechsel zwischendurch gut bewerkstelligt werden konnte”, erläutert Dekanats-Öffentlichkeitsreferent Klaus Kordesch, der die zweijährig stattfindenden „Nacht der offenen Kirchen“ koordiniert hat. “Wer am Samstagabend mehrere Kirchen besucht hat, konnte sich einen kleinen Eindruck von der beeindruckenden Vielfalt des Glaubenslebens in unserer Region verschaffen”, sagt er. Er dankte den haupt- und ehrenamtlich Beteiligten für ihren Einsatz, der auch viele Menschen in die Gotteshäuser geführt habe, die sonst eher selten eine Kirche von innen sehen.

In der Hatzfelder Emmauskapelle konnte man an Führungen teilnehmen und die über 300 Jahre alte Rindt-Orgel hören. (Foto: Kordesch/eöa)

Erstmals hat sich auch eine katholische Kirche an der Aktion beteiligt: In Hatzfeld/Eder öffnete die St. Hubertuskirche ihre Türen. Nach der Eröffnung, zu der rund 20 Personen gekommen waren, gab es eine besondere akustische Überraschung in Gestalt des Herdecker Alphorntrios: Jagdpächter Josef Gwose hatte die drei für den Folgetag auf seine Jagdhütte eingeladen, um auf den Holzhäuser Klippen zu musizieren. Als sie aber von der „Nacht der offenen Kirchen“ erfuhren, beschlossen sie, das Klangerlebnis auch am Samstagabend den Hatzfeldern zuteil werden zu lassen. So stellten sich Tim Lin, Andrea Schober und Reinhard Scholz kurzerhand vor der Hubertuskirche für ein abendliches Kurzkonzert auf.

Das Herdecker Alpthorntrio sorgte vor und in der katholischen St. Hubertuskirche Hatzfeld für eine gelungene akustische Überraschung zur „Nacht der offenen Kirchen“. (Foto: Kordesch/eöa)

Derweil fand jenseits der Sackpfeife in Bischoffen-Roßbach der “1. offizielle Horror-Jugend-Gottesdienst” der Evangelischen Jugend im Dekanat Biedenkopf-Gladenbach (ejuBIG) unter dem Motto “Scream in Church” statt. Danach lud Pfarrer Dr. Frank Rudolph zu Kirchenführung ein, bevor später ein Taizé-Nachtgottesdienst das Kontrastprogramm komplettierte.

Mit einem Taizégebet klang die „Nacht der offenen Kirchen“ in BIschoffen-Roßbach aus. (Foto: Kordesch/eöa)

Was man mit einer elektronischen Orgel bewerkstelligen kann, offenbarte den Abend über – ebenfalls jeweils zur vollen Stunde – Dekanatskantor Burghardt Zitzmann, der in Hartenroder Kirche einen musikalische Bogen von der Lutherzeit bis in die Gegenwart spannte. Wie vielerorts war zwischendurch Zeit für Begegnungen, Gespräch und einen kleinen Imbiss.

Dekanatskantor Burghardt Zitzmann zauberte in Hartenroder Kirche zur „Nacht der offenen Kirchen“ mit seiner elektronischen Orgel. (Foto: Kordesch/eöa)

Auch an anderen Orten konnte man die offenen Kirchen musikalisch kennenlernen: in Biedenkopf-Eckelshausen lud die Kirchengemeinde zu einem Konzert von Musizierenden aus der Gemeinde ein, an dem Heiner Häcker und seine Percussion-Gruppe, Hanna Hansen und Karin Runzheimer-Hansen (Harfe), Kira Nassauer mit Catherine Debus-Donges und Johanna Rompf (Querflöte + Orgel bzw. Keyboard), Holger Gesche (Geige) sowie Klaas Hansen (Alt-Blockflöte) beteiligt waren.

Kerzen brennen in der Hartenroder Kirche zur „Nacht der offenen Kirchen“. (Foto: Kordesch/eöa)

In Daupthetal-Dautphe war die historische Martinskirche für “Mit Lyrik und Musik in den Herbst” von Rüdiger Jung und Karl-Wilhelm Müller geöffnet. In Steffenberg-Niederhörlen und Oberhörlen konnten die Besucher bei Kerzenlicht und leiser Hintergrundmusik zu stiller Andacht und Gebet zusammenkommen. In Gladenbach-Runzhausen gab es den Abend über Stundengebete, Meditationen, Lesungen und Musik für die Gäste.

Der Kirchenchor gestaltete den Abendmahls-Gottesdienst zur „Nacht der offenen Kirchen“ in Allendorf/E. musikalisch mit. (Foto: Kordesch/eöa)

In Allendorf (Eder) feierte die Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde mit gut 60 Besuchern zum Auftakt der “Nacht der Offenen Kirchen” einen Abendmahlsgottesdienst, den der Kirchenchor musikalisch mitgestaltete. Zwei Spielszenen griffen den Streit übers Abendmahl nach dem Marburger Religionsgespräch und den Augsburger Religionsfrieden 1555 beziehungsweise dessen Auswirkungen auf die Menschen auf.

Konfirmandinnen sorgten in Hatzfeld für eine besinnliche Atmosphäre in der historischen Emmauskapelle. (Foto: Kordesch/eöa)

“Abwechslungsreich, einladend und offen haben sich die Kirchengemeinden des Evangelischen Dekanats Biedenkopf-Gladenbach zur „Nacht der offenen Kirchen“ einem breiten Publikum von ihren besten Seiten vorgestellt – und das trotz der vielen zusätzlichen Veranstaltungen im Reformations-Jubiläumsjahr und der Vorbereitungen für den Dekanatskirchentag mit CVJM-Kreisposaunenfest am 29. Oktober”, freute sich Öffentlichkeitsreferent Kordesch. Mehrfach sei der Wunsch geäußert worden, die „Nacht der offenen Kirchen“ künftig jährlich stattfinden zu lassen.

Stundengebete, leide Musik und meditative Texte begleiteten die Besucher in Gladenbach-Runzhausen durch den Abend. (Foto: Kordesch/eöa)

Gewöhnlich veranstaltet das Dekanat die Kirchennacht im Turnus von zwei Jahren. Schon vor der Vereinigung der beiden Dekanate Biedenkopf und Gladenbach fand die „Nacht der offenen Kirchen“ an einem gemeinsamen Datum statt, nachdem die Dekanate 2006 eine Arbeitsgemeinschaft gebildet hatten. (klk/eöa)

Mit Kerzen und gläsernen Steinchen auf dem Altar konnten die Besucher der kleinen Kirche in Lindenhof bei der „Nacht der offenen Kirchen“ ihre Gebete und Wünsche unterstreichen. (Foto: Kordesch/eöa)

Wie ist das denn nun mit dem Abendmahl? Beim Anspiel in Allendorf/E. streiten sich Bauern, Handwerker, der Wirt und ein Mönch nach dem Marburger Religionsgespräch über den rechten Weg. (Foto: Kordesch/eöa)