Allendorf-Osterfeld. Rund 200 Besucher haben beim “Tag der offenen Tür” im „Lebenshaus“ das Motto des Tages bestätigt: „Allein aus Glauben, aber glaube nicht allein“ lautete das Thema, zu dem Dekan Andreas Friedrich im gemeinsamen Gottesdienst auch predigte.
Bei frühsommerlichen Temperaturen fand die Feier im großen Garten des christlichen Tagungshauses statt, dessen Türen wie immer am Pfingstmontag für die Besucher und Freunde der Einrichtung aber weit offen standen. Der Vorstand des Trägervereins um Vorsitzenden Christian Kreutz und seinen Stellvertreter Uli Müller und die aktiven Mitglieder kümmerten sich nicht nur um das leibliche Wohl der Besucher, sondern zeigten bei Bedarf auch die Gästezimmer und die hauseigene Kapelle des Einkehrhauses.

Neben der Aufgabe, das geistliche Jahresprogramm mit Leben zu füllen, fordert die Aktiven des Vereins  derzeit vor allem die Suche nach einem neuen Hausleiter heraus: Joachim Strauch, der das Lebenshaus und die Arbeit dort geprägt hat wie kein anderer, ist vor einem Jahr in den Ruhestand gegangen. Bislang habe sich noch kein Nachfolger gefunden, bedauerte Kreutz. Sowohl der Vorstand als auch die Aktiven erhielten zum Ende des Gottesdienstes neben einem herzlichen Dankeschön ein kleines Präsent für ihr Engagement.

Auf dem „Martin-Luther-Übungsweg“ warteten an acht Verweil-Stationen überraschende Luther-Zitat mit Anstössen für das eigene geistliche Leben. Weitere Fotos folgen am Donnerstag! (Foto: Kordesch/eöa)

Zuvor hatte Andreas Friedrich als Dekan des Evangelischen Dekanats Biedenkopf-Gladenbach in seiner Predigt das Thema des Tages und als dessen Bestandteil den reformatorischen Kernsatz „Allein aus Glaube…“ aufgegriffen. Allein aus Glaube bekomme man nach Luther Anteil an Christus – aber der Begriff Glaube werde oft nach Belieben mit Bedeutung gefüllt, sagte der Theologe: „Christlicher Glaube ist nicht zuerst Moral und Dogmatik, und es geht auch nicht darum, sich damit besser zu fühlen“, machte er bewusst. Das sei zwar nicht falsch, aber im Wesentlichen gehe es „um den gemeinsamen Weg, um Nachfolge“: „Gott wohnt in uns, er stillt unseren Durst“, erklärte Friedrich. Und so führe auch Buße und Umkehr nicht aus dem Leben hinaus, sondern direkt in dessen Mitte hinein, wie Luther festgestellt habe.

Die Predigt in Osterfeld hielt Dekan Andreas Friedrich zum Tagesmotto „Allein aus Glauben, aber glaube nicht allein“. Weitere Fotos folgen am Donnerstag! (Foto: Kordesch/eöa)

Trotz aller ihrer Fehler und Versäumnisse sei man in der Kirche Teil einer starken Gemeinschaft, sagte der Dekan mit Blick auf das Motto „Allein aus Glauben, aber glaube nicht allein“. Im Predigttext aus der Apostelgeschichte (2, 37-47) schildere Lukas das Leben in der Urgemeinde und nenne als innerstes Geheimnis der Lebendigkeit Gottes dessen Forderung „Kehrt um und lasst euch taufen!“. An Pfingsten als dem Geburtstag der Kirche würden die Menschen, die vom Geist angezogen und begeistert worden sind, in der Nachfolge zu Zeugen Christi: „Damit geht die Geschichte Jesu´ weiter als die Geschichte von Gemeinde“, schloss Dekan Friedrich.

Vor und nach dem Gottesdienst, den der Kirchenchor der Kirchengemeinde Allendorf und die Solisten Tatjana Beyer und Thomas Weiß musikalisch mitgestalteten, konnten die Besucher auch in der Umgebung des Hauses für den „Tag der offenen Tür“ angelegten „Martin-Luther-Übungsweg“ entdecken. Auf dem rund einen Kilometer langen Pfad wartete an acht Verweil-Stationen so manch überraschendes Luther-Zitat, das als Anregung für das eigene geistliche Leben dienen konnte. Mit einem geselligen Kaffeetrinken klang der “Tag der offenen Tür” anschließend aus. (klk/eöa)