BREIDENBACH / KATEMBE. Die Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Breidenbach hat seit vergangenem Sonntag eine Partnergemeinde in Tansania. Der aus sechs kleineren Gemeinden neu gebildete Kirchspielgemeinde Kanoni gehören rund 3000 Mitglieder an, wie die Delegation des Evangelischen Dekanats Biedenkopf-Gladenbach bei ihrem Besuch erfuhr. Die Einweihung des neuen Pfarrhauses durch Bischof Dr. Benson Bagonza und Dekan Andreas Friedrich stellte einen weiteren Höhepunkt der Partnerschaftsreise dar, deren Ende nun naht.

„Ich freue mich sehr über das Angebot der Kirchengemeinde Breidenbach, eine Gemeindepartnerschaft einzugehen“, erklärte Pfarrer Lemigius Costantine, der Pfarrer der Gemeinde in Kanoni: „Ich bin gespannt, wie sich diese Partnerschaft entwickeln wird. Wir denken an und beten für unsere Schwestern und Brüder in Breidenbach“, sagte er.

Julia Achenbach aus Hatzfeld wird von jungen Gemeindegliedern der Gemeinde in Kanoni verabschiedet. Wie sie wurde die Delegation reich beschenkt. Die vielen Kinder und Jugendliche machen die andere Bevölkerungsstruktur in Tansania im Vergleich zu Deutschland deutlich. (Foto: Jörg Stähler)

Die Kanoni-Gemeinde bedankte sich nicht nur mit der einmaligen tansanischen Gastfreundschaft, sondern auch mit Gastgeschenken an die Delegation und für die Evangelische Kirchengemeinde Breidenbach. Deren Pfarrer Karlhans Nüsslein hatte zuvor einen Brief mit dem Grüßen des Kirchenvorstands übergeben. „Diese neue Partnerschaft ist eine weitere Brücke zwischen Deutschland und Tansania sowie eine Gelegenheit mehr, die weltweite Kirche Jesu nicht nur als schöne Theorie zu verstehen, sondern konkret zu erleben“, freute sich der Ökumenebeauftragte des Dekanats, Pfarrer Jörg Stähler.

Wachsende Partnergemeinde: Dekan Andreas Friedrich (li) tauft und Reverend Uzima Tiramanyawa, der Distriktpfarrer des Kituntu-Distrikts, taufen im Gottesdienst in Kanoni drei neue Gemeindeglieder. (Foto: Jörg Stähler)

Die sechs Dörfer der neuen Breidenbacher Partnergemeinde liegen in den Hügeln Karagwes im Nordwesten Tansanias an der Grenze zu Ruanda und Uganda. „Hier ist der Boden so fruchtbar, dass gleichzeitig Bananenstauden, Kaffeebäume und Bohnen angepflanzt und mehrmals im Jahr geerntet werden können“, berichtet Pfarrer Stähler. „Andererseits fehlt es fast an jedweder Infrastruktur abgesehen von Elektrizität, die im vergangenen Jahr auch abgelegene Gegenden Tansanias erreicht hat.“ Die prekäre wirtschaftliche Lage erkläre sich zum einen durch die Randlage, zum anderen dadurch, dass die landwirtschaftliche Arbeit ohne jedwede technische Geräte personalintensiv ist und durch den Verfall der Rohstoffpreise beispielsweise für Kaffee keine großen Erträge abwerfe, erläutert er.

Im Festgottesdienst zur Einweihung des neuen Pfarrhauses sangen drei Chöre, unter anderem der Chor der Gemeinde Kanoni. Die Chormusik ist einer der Stärken der Lutherischen Kirche im Nordwesten Tansanias. Die Chöre texten und komponieren ihre Lieder selbst und arbeiten für jedes Lied eine eigene Choreografie aus, die die Botschaft des Liedes visuell darstellt. (Foto: Jörg Stähler)

Laut Bischof Bagonza ist die Wasserversorgung eine der großen Herausforderungen der Menschen in diesem abgelegenen Teil Karagwes: Die Menschen müssen bis zu fünf Kilometer ins Tal gehen, um an Wasser zu kommen. „Nur vereinzelt gibt es hier und da Erdtanks, in denen das Regenwasser aufgefangen wird“, schildert Reiseleiter Stähler die Lage vor Ort.

Tansania-Partnerschaftsdelegation bei Pfarrhaus-Einweihung

Bischof Bagonza thematisierte in seiner Ansprache zur Einweihung des neuen Pfarrhauses der Delegation im Festgottesdienst – in dem Dekan Andreas Friedrich die Predigt hielt – das Verhältnis von Organisation und Evangelisation. „Vorstandssitzungen, Protokolle, Papiere und was auch immer sind wichtig“, machte Bagonza bewusst: „Aber der Kontakt mit den Menschen in ihren jeweiligen Lebensbezügen und das Bekanntmachen der guten Botschaft der Gnade und Liebe Gottes ist die eigentliche Aufgabe für die Kirche und alle Christen.“ In der Evangelisch-lutherischen Kirche in Karagwe seien alle Ebenen an Mission und Evangelisation beteiligt, erklärte der Bischof. Das beginne mit den Chören, die für thematische Kampagnen (Out-reach) auch außerhalb der Kirche singen, dazu eigene Lieder mit einer eigenen Tanz-Choreografie verfassen, um die Botschaft des Liedes sichtbar zu machen.

Dekan Andreas Friedrich wurde eingeladen, in Anwesenheit von Bischof Dr. Benson Bagonza und dem Stellvertretenden Bischof Yoram Karusya (1. und 2. v.re.) eine Ansprache zur Eröffnung des neuen Pfarrhauses zu halten. Yoram Karusya arbeitete von 2006 bis 2011 als Pfarrer und Ökumenebauftragter in Waldgirmes und im Altdekanat Gladenbach. (Foto: Jörg Stähler)

Weiterhin kümmere sich in jeder der sechs Gemeinden des neuen Kirchspiels jeweils ein Evangelist um Gottesdienste, Bildung und Seelsorge, aber auch um praktische Lebensfragen sowie um Diakonie. „Der Pfarrer einer Kirchspielgemeinde ist ständig auf unbefestigten, in der Trockenzeit sehr staubigen Straßen und Wegen unterwegs, um in allen Gemeinden mindestens einmal im Monat Gottesdienste mit Taufen und Abendmahl zu halten“, erklärte Bagonza. Außerdem stehe er der Gemeindeleitung vor, die für die Organisation und die Finanzen verantwortlich ist: „Denn die Gemeinden müssen finanziell für sich selbst sorgen, das heißt, die Evangelisten und Pfarrer bezahlen.“ Auch er selbst als Bischof sei in Sachen Mission und Evangelisation unterwegs, sagte Bagonza. So habe er die ganze Karwoche 2015 in Kanoni verbracht, um alle umliegenden Dörfer zu besuchen und die Menschen in die Gemeinschaft der Evangelisch-lutherischen Kirche in Karagwe einzuladen.

Die Delegation des Evangelischen Dekanats Biedenkopf-Gladenbach stellt sich zum Erinnerungsbild zur Eröffnung des Pfarrhauses mit Bischof Bagonza (Mitte). Links neben dem Bischof steht Pfarrer Lemigius Costantine, der Pfarrer der Gemeinde in Kanoni, in der man sich sehr über die neue Gemeindepartnerschaft mit der Kirchengemeinde in Breidenbach freut. (Foto: Jörg Stähler)

Für die Delegation beginnt am Mittwoch mit der Abreise nach Entebbe, der ehemaligen Hauptstadt Ugandas, bereits der lange Heimweg. Von dort führt sie der erste Flug nach Dubai, wo dann der Flieger nach Frankfurt wartet. Am Freitagvormittag ist die neunköpfige Reisegruppe dann hoffentlich wohlbehalten wieder zurück. (jst/klk-eöa)