DEKANAT / Gladenbach-Weidenhausen. Kirchenmusikdirektor Burghardt Zitzmann ist am Sonntag als Kantor des Evangelischen Dekanats Biedenkopf-Gladenbach in den Ruhestand verabschiedet worden. „Ihr Wirken hinterlässt bleibende Spuren“, erklärte Dekan Andreas Friedrich in der evangelischen Kirche in Weidenhausen: „Es ist so viel Schönes und Gutes dabei herausgekommen!“

Zitzmann, der seit 2010 als Dekanatskantor zunächst im Dekanat Gladenbach und dann im fusionierten Dekanat Biedenkopf-Gladenbach tätig war, habe diesen Zeitpunkt schon lange herbeigesehnt. „Aber nur, um endlich noch mehr Zeit mit dem Orgelspiel, dem Improvisieren, der Musik und seinen Orgelschülern verbringen zu können“, erklärte der Dekan. „Ihre geniale Musikalität ist eine Gabe Gottes“, machte er bewusst.

 

Die Dekanatskantorei und der Chor „Ad Novum“ gestalteten den Verabschiedungsgottesdienst für Dekanatskantor Burghardt Zitzmann mit. (Foto: Klaus Kordesch/eöa)

Seine Begabung sei Zitzmann Berufung und Verpflichtung zugleich gewesen. Sein eigentlicher Wunschberuf Dolmetscher sei Zitzmann in der ehemaligen DDR zwar verwehrt worden, dennoch sei er einer geworden: „Sie sind Dolmetscher des Evangeliums Gottes durch die Kraft der Musik“, zeigte sich Friedrich beeindruckt. Der scheidende Kantor hatte seinen Verabschiedungsgottesdienst beispielsweise mit dem Präludium und der Fuge in Es-Dur (BWV 552) von Johann Sebastian Bach umrahmt und die theologischen Hintergründe des Werks im Liedblatt erläutert.

Nun aber gelte es auch loszulassen für den künftigen Ruheständler, so beispielsweise die von Zitzmann aufgebaute Dekanatskantorei, erklärte der Dekan. Die Kantorei Gladenbach, die Zitzmann nach der Gründung Anfang 2014 schnell zur Konzertreife führte, begleitete den festlichen Verabschiedungs-Gottesdienst gemeinsam mit dem Chor „Ad Novum“. Die Zukunft der Kantorei ist gesichert: Sie wird gemeinsam mit der Biedenkopfer Kantorei von Dekanatskantor Johann Lieberknecht fortgeführt werden. „Und für Ihre Orgelschüler wollen Sie weiterhin da sein, solange Sie leben“, bedankte sich Dekan Friedrich abschließend bei dem Kirchenmusiker, bevor er ihn von seinen Pflichten entband.

 

Eine selbstgebaute Orgelpfeife überreichte Pfarrer Axel Henß dem scheidenden Dekanatskantor Burghardt Zitzmann, der zuvor schon Blumen, Dankes- und Lobesworte von Dekan Andreas Friedrich und Propsteikantorin Petra Denker in Empfang genommen hatte. (Foto: Klaus Kordesch/eöa)

Auch Christa Kirschbaum als Landeskirchenmusikdirektorin der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau (EKHN) und Propsteikantorin Petra Denker verabschiedeten den verdienten Kantor. Petra Denker erinnerte an gemeinsame Projekte wie das „Elias“-Oratorium von Felix Mendelssohn Bartholdy 2016 und dankte für die gute Zusammenarbeit. Sie wünschte dem Ruheständler, dass seine außergewöhnliche Leidenschaft für die Kirchenmusik auch die kommenden Jahre prägen möge: „Aus der Pflicht wird jetzt die Kür“, sagte sie erwartungsvoll.

 

„So viel Musik, so reich beschenkt“: Pfarrer Axel Henß nutzte einen Teil seiner Predigt für Dankesworte an den scheidenden Dekanatskantor Burghardt Zitzmann. (Foto: Klaus Kordesch/eöa)

Zuvor hatte schon Pfarrer Axel Henß – der als Abschiedsgeschenk eine hölzerne Orgelpfeife für den Kantor angefertigt hatte – für das außergewöhnliche kirchenmusikalische Engagement Zitzmanns in der Kirchengemeinde Weidenhausen gedankt. „Da ist so viel Musik erklungen, da gab es so viele musikalische Gottesdienste und Konzerte – wir sind so reich beschenkt dadurch“, freute sich Henß und erinnerte beispielsweise an die Karfreitagsmusik oder die Aufführungen des Weihnachtsoratoriums. „All das ist nicht ohne Wirkung geblieben und wirkt lange in uns nach“, sagte der Gemeindepfarrer. Die Kirche sei so auch zu einem Ort geworden, an dem die Menschen Gemeinschaft, Mut und Hoffnung erfahren hätten und gestärkt worden seien für ihr Leben.

Musikalisch verabschiedete sich der scheidende Dekanatskantor bei den Besuchern des Adventsgottesdiensts nicht nur mit der Bach-Fuge und Christian Gregors Motette „Hosianna, gelobet sei, der da kommt“ für zwei Chöre und Basso continuo, sondern auch in Gestalt anspruchsvoll arrangierter Gemeindelieder, bei denen auch die beiden Chöre gefordert waren. Selbst das Vorspiel zum Gemeindelied „Macht hoch die Tür“ ließ der Kirchenmusiker eingangs zu einem konzertanten Erlebnis werden. (klk/eöa)

 

Aus Müssen wird Wollen: Dekanatskantor Burghardt Zitzmann (2.v.l.) ist von (v.l.) Dekan Andreas Friedrich Propsteikantorin Petra Denker und Pfarrer Axel Henß in den Ruhestand verabschiedet worden. (Foto: Klaus Kordesch/eöa)