EKHN / DEKANAT. Viele Gemeinden der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) beginnen an diesem Wochenende behutsam mit dem Neustart ihrer öffentlichen Gottesdienste. In unserem Dekanat Biedenkopf-Gladenbach wollen allerdings nur drei Gemeinden (von 47) schon wieder “an den Start” gehen. Das vorsichtige Zurückfinden zur Normalität schlägt sich auch im Verzicht auf unsere tägliche Mutmacher-Videoreihe “Ein paar Minuten Zuversicht” nieder, die kommende Woche ausläuft.

Am Montag werden sich Dekan Andreas Friedrich und die Stellvertretende Dekanin Christina Ronzheimer von den mittlerweile mehr als 500 Abonnenten unseres neuen YouTube-Channels verabschieden – vorerst zumindest, denn nicht nur die Zuschauer, sondern auch wir im Dekanat haben Spaß an diesem Format gefunden und wollen in der kommenden Woche überlegen, wie wir die Video-Sparte sinnvoll und interessant weiterführen können. Und – noch eine gute Nachricht – die Video-Kurzgottesdienste der “Zuversicht”-Serie am Sonntagmorgen wird es wenigstens bis in den Juni hinein weiter geben.

Parallel dazu findet die langsame Rückkehr in die gewohnte “analoge” Gottesdienst-Welt statt. Nachfolgend die bis Freitagnachmittag im Dekanat eingegangenen Meldungen (Ergänzungen und Aktualisierugen sind jederzeit willkommen!).

Die Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Biedenkopf feiert am 10. Mai 2020 wieder die ersten Gottesdienste in der Stadtkirche in Biedenkopf – natürlich unter gewissenhafter Beachtung des von der Landeskirche vorgelegten Hygienekonzepts und mit höchstens 50 Gottesdienstteilnehmern. “Da nicht einzuschätzen ist, wie viele am Sonntagkommen werden, wird es sonntäglich zwei Gottesdienste geben: Der erste wird um 10 Uhr beginnen, der zweite um 11.30 Uhr”, teilt Pfarrer Ernst-Detlef Flos namens des Kirchenvorstands mit. Die Gottesdienstdauer werde jeweils etwa 35 Minuten betragen; zwischen den Gottesdiensten werden die Kontaktflächen in der Kirche desinfiziert.

In Hermannstein – im Süden des Dekanats – wird ebenfalls am Sonntag (10. Mai) die Gemeinde um 10.30 Uhr zum ersten Gottesdienst nach dem Verbot zusammenkommen. Die entsprechenden Regelungen zur Hygiene, zum Mindestabstand und den daraus sich ableitenden begrenzten Sitzplätzen sowie dem Verhalten der Gottesdienstbesucher sind am Eingang der Kirche und auf der Homepage der Kirchengemeinde unter http://kirchengemeinde-hermannstein.de/ veröffentlicht. Besucher sind angehalten, vor dem Betreten der Kirche ihre Kontaktdaten (Name und Telefonnummer) auf einem Zettel mitzubringen, um eventuelle Infektionsketten nachvollziehen zu können.

Kleine Kurz-Gottesdienste in allen drei Kirchorten will der Kirchengemeinde Oberdieten am 10. Mai zum “ReStart” anbieten. An den Kirchen hängen Listen zur vorherigen Anmeldung aus – und auch eine Kontakt-Telefonummer, unter der man erfahren kann, ob woanders noch Platz ist. Die Gottesdienste beginnen in Oberdieten um 9.30 Uhr, in Niederdieten um 10.15 Uhr und in Achenbach um 11 Uhr. Gleich am Montag will der Kirchenvorstand dann die Erfahrungen auswerten und die weiteren Schritte bedenken, teilt Pfarrer i.R. Henning Briesemeister mit.

Am 17. Mai 2020 werden die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Breidenbach und Dautphe  den ersten Gottesdienst feiern.

Erst an Pfingsten (31. Mai/1. Juni) beginnen wieder regelmäßige Gottesdienstfeiern in den Kirchengemeinden Niederweidbach und Wilsbach.

Die Auflistung wird fortgesetzt beziehungsweise bei Bedarf in einen eigenen Beitrag überführt.

Auf ein besonderes digitales Angebot aus der Nachbarschaft sei noch hingewiesen: Die Kirchengemeinde Herborn-Seelbach hat bereits zwei sogenannte sublan.tv-Gottesdienste gefeiert, am Sonntag steht der dritte an. Dabei kann man sich aktiv mit Text-Kommentaren am Geschehen beteiligen. Die Gemeinde arbeitet daran, das Angebot aus der Kirche verfügbar zu machen, sendet aber ansonsten aus dem Pfarrhaus. Wenn Sie dabeisein mögen: Am Sonntag um 10 Uhr geht es auf https://sublan.tv/gottesdienste/#/events/246/attendee los.

Rund zwei Monate lang waren die Feiern wegen der Corona-Pandemie untersagt. Seit Mai sind sie wieder erlaubt. Darüber freuen sich die rund 1,5 Millionen evangelischen Kirchenmitglieder sehr. Allerdings sind damit auch besondere Auflagen wie etwa die Einhaltung von Abstandsgeboten, das Tragen von Mundschutz-Masken und der Verzicht auf Gesang verbunden. Die hessen-nassauischen Kirchengemeinden wollen mit den Hygiene-Vorschriften äußerst verantwortlich umgehen.

Nach einer vorläufigen Abfrage werden von den rund 1.100 Gemeinden der EKHN am 10. Mai deshalb zunächst auch voraussichtlich deutlich weniger als die Hälfte wieder mit öffentlichen Gottesdiensten beginnen. Sorgen bereitet Gemeinden mit kleinen Kirchen dabei vor allem das Abstandsgebot und die Größe ihres Sakralbaus. Wenn sie die Richtlinien einhalten, passt mitunter nur eine Handvoll Gäste in die Kirche. Selbst große Gotteshäuser wie die Lauterbacher Stadtkirche mit normalerweise rund 1.000 Plätzen kann mitten in der Corona-Krise kaum mehr als 50 Besucherinnen und Besuchern eine Sitzgelegenheit bieten.

Auffällig: Vor allem die Gemeinden in der ländlichen Region mit vornehmlich kleineren Kirchen bleiben beim Neustart deshalb bewusst zurückhaltend. Die größeren Bauten in den Metropolen wie etwa die Katharinenkirche in Frankfurts City, die Wiesbadener Lutherkirche oder die Darmstädter Stadtkirche öffnen dagegen ihre Türen erstmals wieder für öffentliche Feiern am Sonntag. Eine kluge Alternative für die Platznot hat sich unterdessen die Mainzer Maria-Magdalena-Gemeinde auf dem Lerchenberg ausgedacht. Sie verlegt ihre Gottesdienste ab 17. Mai unter den freien Himmel und feiert einfach Open-Air. Das planen auch unsere Kirchengemeinden Battenberg, Dautphe und Niederweidbach, allerdings erst für den Himmelfahrtstag beziehungsweise an Pfingsten.

Gleichzeitig bleiben viele Gemeinden angesichts der Herausforderungen durch die Schutzmaßnahmen vorerst bei ihren inzwischen durchaus bewährten digitalen Angeboten. So setzt die Maria-Magdalena-Gemeinde in Frankfurt weiter auf ihren Video-Konferenz-Gottesdienst „GaAbriEl“, bei dem am Sonntag sogar Kirchenpräsident Volker Jung als virtueller Gastprediger auftritt. Unterdessen vereint die Kirchengemeinde im mittelhessischen Hungen das Beste aus zwei Welten. Sie feiert einen „Hybrid-Gottesdienst“ mit Andacht in der Kirche und gleichzeitiger Live-Übertragung in die Wohnzimmer. Der spirituelle Neuaufbruch in der Welt der Elektronik zeitigt erste bleibende Folgen.

Mit Zollstock und Klebeband

Ansonsten sind viele Gemeinden aber noch emsig damit beschäftigt, ihre Kirchen vor Ort für den Sonntag startklar zu machen. So begutachten Sicherheitsteams mit Zollstock und Klebeband die Sitzreihen und markieren die vorgeschriebenen Abstände. Das Hygienekonzept für die Gemeinden mit ihren vielen ehrenamtlich Aktiven ist durchaus anspruchsvoll. In dieser Woche hatte die Gesamtkirche eine zwölf Punkte umfassende Handreichung zur Sicherheit sowie umfassende Praxistipps herausgegeben. Sie betont darin, dass sich Gemeinden nicht selbst mit dem Neustart der Gottesdienste und anderer Veranstaltungen unter Druck setzen müssten. Ein Neuanfang unter den Bedingungen der Corona-Pandemie solle besser „gut überlegt und bewusst gestaltet werden“, heißt es darin. Dabei könne beispielsweise ein Einstieg mit kürzeren Gottesdienstformen helfen.

In einem Begleitschreiben zu dem Papier empfahl der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung zuletzt ebenfalls, sich ausreichend Vorbereitungszeit für einen Neuanfang zu nehmen. Jung: „Ausdrücklich betone ich, dass mit der Möglichkeit, Gottesdienste in den Kirchen zu feiern, keine Verpflichtung dazu besteht. Es kann auch eine geistlich gut verantwortete Entscheidung sein, noch eine Zeit lang auf die gottesdienstliche Versammlung zu verzichten und weiterhin etwa in medialer Verbindung miteinander oder auch zuhause Gottesdienst zu feiern.“ Gleichzeitig erinnerte Jung an das Ziel der bisherigen Einschränkungen: „Gerade weil uns aus unserem Glauben heraus so viel daran liegt, Menschen nicht zu gefährden und Schwache zu schützen, halten wir es für geboten, die staatlichen Einschränkungen mitzutragen. Abstand halten war und ist für mich in dieser Zeit ein Akt der Nächstenliebe.“

(Headerfoto: Kai Fuchs / Dekanat Rodgau – eöa)

Hinweis
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www.EKHN.de/corona
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