BIEDENKOPF. Welche Lieblingslieder haben Sie? Dekanatskantor Edwin Plies hat einige seiner besonders gern gespielten Stücke am Reformationstag verraten. Bei aller Freude über die schöne Auswahl schwang doch auch einige Wehmut mit, denn der Organist ließ das „Best of“ aus 38 Dienstjahren als sein Abschieds-Orgelkonzert erklingen.

Rund 100 Besucher wollten sich dieses besondere Konzert in der Evangelischen Stadtkirche Biedenkopf nicht entgehen lassen und feierten Edwin Plies mit stehendem Applaus und nachdrücklichen Zugabe-Wünschen, denen der leidenschaftliche Organist gerne nachkam. Zuvor hatte er rund anderthalb Stunden lang tiefe Einblicke in seine fast vier Jahrzehnte dauernde kirchenmusikalische Karriere gewährt und dabei viele persönliche Erinnerungen offenbart, die er mit den gespielten Werken verbindet.

Nach 38 Dienstjahren in der Evangelischen Kirchengemeinde Biedenkopf und als Dekanatskantor im Dekanat Biedenkopf-Gladenbach hat Edwin Plies ein Abschieds-Orgelkonzert gegeben, das noch lange in Erinnerung bleiben dürfte. Er wird zum 1. Februar 2019 in den Ruhestand gehen. (Foto: Kordesch/eöa)

Von dem seiner Aussage nach „unzählige Male“ gespielten Choralvorspiel zu „Tu mir auf die schöne Pforte“ in einer Bearbeitung von Gustav Unbehaun wechselte Plies zu Dietrich Buxtehudes Toccata und Fuge in F-Dur. Die habe er schon vor seiner Einführung in Biedenkopf 1980 das erste Mal an der Weigle-Orgel gespielt, berichtete er. Auch die Fantasia in G-Dur“ von Johann-Sebastian Bach ist eines der Werke, die Plies sein Leben lang begleitet haben: Es sei eines der Stücke bei seinen ersten Konzerten gewesen, die 1981/82 wegen der Sanierung der Stadtkirche in der Hospitalkirche stattfinden hätten müssen, erzählte Plies – und ließ seinen Zuhören anschließend das Stück in der deutlich „schöneren und kräftigeren Registrierung der Stadtkirchen-Orgel“ angedeihen.

Nur zur Begrüßung stand Dekanatskantor Edwin Plies bei seinem Abschieds-Orgelkonzert im Altarraum. Seine Erinnerungen zur Musikauswahl teilte er von der Orgelbank aus mit den etwa 100 Zuhörern. (Foto: Kordesch/eöa)

Bei seiner eigenen Hochzeit sei er mit der „Cantinelle F-Dur“ von Josef Gabriel Rheinberger begrüßt worden und habe selbst im Laufe der Jahre viele Trauungen mit diesem träumerisch-ruhigen Stück begleitet, berichtete der Kirchenmusiker und spielte anschließend auch Mendelssohns Sonate Nummer 4 in B-Dur: An diesen schweren „Brocken“ habe er sich seinerzeit auf Vorschlag einer Chorsängerin gewagt, erzählte er. Die musikalische Herausforderung meisterte er indes ebenso mühelos wie Bachs große Toccata in C-Dur, von der er den etwas gemäßigteren Mittelteil zu Gehör brachte.

Mit „voller Orgel“ ließ er anschließend Franz Schmidts „Präludium in D-Dur“ erklingen, das er erstmals in der Wiesbadener Bergkirche mit ihren 60 Registern gehört habe: „Es bebte alles, auch mein Herz“, offenbarte der scheidende Dekanatskantor, bevor er passend zum Reformationstag eines der für ihn „wunderbarsten Lieder“ in Gestalt von Unbehauns „Eine feste Burg ist unser Gott“ spielte.

Mit Applaus im Stehen bedankte sich das Publikum bei Edwin Plies für das außergewöhnliche Konzert, in dem der scheidende Dekanatskantor ein „Best of“ aus 38 Dienstjahren präsentiert hatte. (Foto: Kordesch/eöa)

Vor Rheinbergers „Finale“ ließ Plies noch „Jesu bleibet meine Freude“ erklingen, das er bei der Trauerfeier für Pfarrer Georg Schmidt noch auf dessen Wunsch hin gespielt habe. Es sei für ihn übrigens auch die einzige Trauerfeier in der Stadtkirche  gewesen, erinnerte sich der Musiker zurück. Nach einem Medley von Colin Mawby als Zugabe, bei dem die Zuhörer unter anderem „When the Saints…“, „Freude schöner Götterfunken“ und „Halleluja“ heraushören konnten, ließ sich Plies auch durch den weiterhin lang anhaltenden Aplaus nicht zu einem weiteren Stück bewegen. Allzu viele Hände brauchte er – außer für Glückwünsche zu diesem großartigen Konzert – vorerst noch nicht zu schütteln: Seine offizielle Verabschiedung findet statt am 27. Januar kommenden Jahres um 14 Uhr in der Stadtkirche. (klk/eöa)