Dautphetal-Friedensdorf. Seit dem vergangenen Wochenende bilden die evangelischen Kirchengemeinden in Dautphetal offiziell einen Nachbarschaftsraum. In einem Auftaktgottesdienst in der Christuskirche Friedensdorf wurden dabei Kerstin Griesing und Robin Feldhaus als Gemeindepädagogen für den Nachbarschaftsraum in ihr neues Amt eingesegnet.

Gerade am Beispiel der Jugend- und Familienarbeit, für die die beiden zuständig sind, werden die Effekte der Zusammenarbeit besonders deutlich, stellte Dekan Andreas Friedrich fest. Jetzt müsse nicht mehr jede Gemeinde für sich agieren, was immer auch eine finanzielle Herausforderung bedeutet, sondern man könne sich gegenseitig helfen und sei füreinander da – ganz den christlichen Grundsätzen folgend. Die Gemeinde sei sicherlich eine geniale Erfindung, so Friedrich weiter. Im heimischen Dekanat gebe es 47 davon. „Aber wir müssen uns auch fragen, ob es nicht irgendwann zu viele sind, wenn die Mitglieder immer weniger werden“, gab er zu bedenken.

Deswegen sei es so sinnvoll, in Nachbarschaftsräumen die Gemeinschaft zu betonen und hervorzuheben. „Die Kirchen tun sich zusammen, nicht um ihre Eigenständigkeit aufzugeben, sondern um ihrem Gemeindeleben neue Impulse zu geben und Dinge tun zu können, die sonst nicht möglich wären“, pflichtete ihm auch Pfarrer Peter Lösch bei.

Dekan Andreas Friedrich (links) segnet Robin Feldhaus und Kerstin Griesing als neue Gemeindepädagogen für den Nachbarschaftsraum Dautphetal ein. (Foto: Sascha Valentin)

Auf die Ursprünge der heutigen Entwicklung ging hingegen Pfarrer Reiner Braun ein. Sie lägen rund 150 Jahre in der Vergangenheit, als die bis dato bewährte Einheit von Kirche und Christengemeinde anfing, auseinander zu driften. Es bildeten sich eine Vielzahl von Freikirchen und kirchlichen Gemeinschaften, die dazu beitrugen, dass die traditionellen Strukturen immer mehr aufweichten und auseinanderbrachen. Brauns eigene Gemeinde liefert das beste Beispiel für diese Entwicklungen. In den 18 Jahren, die er nun Pfarrer in Dautphe ist, sei die Zahl der Gemeindeglieder von 2800 auf 2300 gesunken, berichtete er. Deswegen diene der neue Nachbarschaftsraum dazu, schwindende Kräfte zu bündeln und vorhandene Ressourcen besser zu nutzen. „Schließlich haben alle Gemeinden ein gemeinsames Ziel: Sie wollen die Menschen für die Liebe Gottes begeistern“, betonte Braun.

Dekan Andreas Friedrich nutzte in seiner Predigt denn auch das Bild des Fischzugs Petrus, das auch eine Seite des Altarraums der Christuskirche schmückt, um die Verbindung deutlich zu machen, die der Glaube zwischen den Menschen bildet. Symbolisch wurde diese Verbindung anschließend mit einer Aktion zum Leben erweckt, bei der sich die Gottesdienstbesucher untereinander Knäuel aus Krepppapier zuwarfen und dadurch in der Kirche ein großes buntes Netz flochten, das alle umspannte – genauso wie es der neue Nachbarschaftsraum mit den Gemeinden im Dautphetal tut. (sval)

Symbolisches Bild für den neuen Nachbarschaftsraum: Die Mitglieder der verschiedenen Kirchengemeinden spannen ein großes Netz aus Krepppapier auf, das sie alle miteinander vereint. (Foto: Sascha Valentin)