Gladenbach-Weidenhausen. „Es ist kein Abschied, sondern nur das Ende eines Lebensabschnitts!“ Nach dieser Klarstellung von Kirchenmusikdirektor Burghardt Zitzmann konnten die mehr als 300 Besucher in der evangelischen Kirche in Weidenhausen das „Circle of Friends-Abschlusskonzert“ gleich wesentlich entspannter genießen: Auch, wenn der Dekanatskantor des Evangelischen Dekanats Biedenkopf-Gladenbach Ende November in den Ruhestand geht, wird es weiter Konzerte von und mit ihm geben.

Mit einigen musikalischen Freunden und Wegbegleitern konzertierte der Kirchenmusiker am Sonntag ein ebenso vielfältiges wie spannendes Programm, in dem Lieder zum Mitsingen für die Gemeinde ebenso enthalten waren wie anspruchsvolle Chorwerke und Kabinettstückchen für die versammelten Instrumentalisten. Zu Gast waren in der nahezu voll besetzten Kirche neben der Dekanatskantorei Gladenbach Susanne Mann (Blockflöten), Katharina Eich-Meier (Blockflöte, Violine), Thorsten Mann (Orgel und Cembalo), Markus Rink (Orgel) und Simon Schepp (Klavier) – den Worten Zitzmanns zufolge sämtlich Menschen, „die mich getragen, befähigt, gelehrt, begleitet und reich gemacht haben und die mir Freunde wurden.“

Nach mehr als zwei Stunden Kirchenmusik auf höchstem Niveau nahm der scheidende Dekanatskantor Burghardt Zitzmann (re.) den verdienten Applaus der über 300 Zuhörer seines „Circle of Friends“-Abschlusskonzerts entgegen. (Foto: Klaus Kordesch/eöa)

Mit dem frohlockenden 100. Psalm „Jauchzet dem Herrn, alle Welt“ von Felix Mendelssohn Bartholdy eröffnete die Kantorei den ersten Teil des Nachmittags, der in Gestalt eines kleinen musikalischen Gottesdiensts angelegt war. Bevor die Gemeinde bei der Bearbeitung von „Allein Gott in der Höh´ sei Ehr´“ in der Bearbeitung von Michael Graf Münster mit einstimmen konnte, verschaffte ihr der Chor mit dem vergleichsweise selten zu hörenden eindrucksvoll-flehenden Kyrie aus Louis Viernes Messe solennelle das erste außergewöhnliche Klangerlebnis.

Alle Ausführenden vereinigten sich für Erhard Mauersbergers Motette „Bleibe bei uns“ zum Abschluss des Konzerts. (Foto: Klaus Kordesch/eöa)

Nach Zitzmanns Orgelimprovisation zu „Wohl denen die da wandeln“ wechselte er mit seinem Chor in den Altarraum und ins moderne Fach. Nach dem spritzigen, mehrstimmig vorgetragenen Spiritual „Sing Halleluja“ von Nico Schlenker und einem mitunter mittelalterlich anmutenden Musikstück für Flöte und Schellentrommel, das sich durch seine rasante Tempoentwicklung auszeichnete, sangen Kantorei und Gemeinde Luthers Verse „Verleih uns Frieden gnädiglich“ in der Vertonung von Matthias Nagel wieder gemeinsam.  Die Kantate „Alles, was ihr tut“ von Dietrich Buxtehude beschloss den gottesdienstlichen Part.

Mit einem Stück für Flöte und Schellentrommel bereicherten Susanne und Torsten Mann das „Circle of Friends“-Abschlusskonzert. (Foto: Klaus Kordesch/eöa)

Nach einer Pause harrte gleich ein weiterer Höhepunkt des Konzerts in Gestalt des von Zitzmann für Orgel und Cembalo, zwei Blockflöten, Streicher und Bass bearbeiteten Orgelkonzerts B-Dur (op.4 Nr.6) von Georg Friedrich Händel, dem die beiden Bachkantaten. „Was Gott tut, das ist wohlgetan“ und „Gelobet sei der Herr“ folgten. Zitzmann und Markus Rink begaben sich anschließend an Orgel und Klavier zu Clifford Demarests Rhapsodie a-Moll in einen vielschichtigen musikalischen Dialog, auf den das nächste Kleinod in Form einer Reminiszenz an das 2016 in der Hinterlandhalle mit vier Kantoreien beziehungsweise fast 200 Sängerinnen und Sängern aus dem heimischen Raum aufgeführte Oratorium „Elias“ von Felix Mendelssohn Bartholdy folgte. Dafür hatte Zitzmann nämlich das ursprünglich für drei Frauen-Solostimmen komponierte “Engelsterzett” „Hebe deine Augen auf“ für vierstimmig gemischten Chor umgeschrieben und stilistisch nahtlos an das folgende „Siehe, der Hüter Israels schläft noch schlummert nicht“ angepasst.

Den größten Applaus unter all den Meisterstücken dieses Konzerts erhielt jedoch das Erstlingswerk „Midnight Dance“ von Simon Schepp, Musikstudent und seit 2014 Orgelschüler Zitzmanns, in dem er dem Zuhörer eine romantische Geschichte zu erzählen scheint.

Kein Abschied: Kurz vor dem Ende seiner beruflichen Laufbahn glänzten Kirchenmusikdirektor Burghardt Zitzmann und die Dekanatskantorei beim Abschlusskonzert „Circle of Friends“ in Weidenhausen. (Foto: Klaus Kordesch/eöa)

Nach dem Kanon „Stay with us, oh Lord“ und Erhard Mauersbergers Motette „Bleibe bei uns“ verabschiedete Brigitte Runzheimer namens der Kantorei deren Gründer und Leiter mit Lob und Dank, was das Publikum mit begeisterten Ovationen kommentierte. Ohne Zugabe, aber mit dem Verweis auf seine musikalische Verabschiedung am 1. Dezember um 14 Uhr wiederum in der Kirche Weidenhausen entließ der scheidende Dekanatskantor seine Gäste mit Klangeindrücken reich beschenkt in den frühen Abend. (klk/eöa)