DEKANAT / BIEDENKOPF. Die Kirchenmusik war ihm keineswegs in die Wiege gelegt: Der scheidende Dekanatskantor Edwin Plies hat ursprünglich im elterlichen Betrieb eine Lehre als Maler und Lackierer abgeschlossen und bis zu seiner Einberufung zur Bundeswehr 1975 auch als Geselle in diesem Beruf gearbeitet.

Doch in seinem Elternhaus – Plies ist 1955 in Rettershain in der Nähe der Loreley geboren, aufgewachsen und zur Schule gegangen – spielte die Musik schon eine große Rolle, erinnert er sich. „Als Fünfjähriger erhielt ich Klavierunterricht und als Konfirmand sprach mich mein damaliger Pfarrer an, ob ich denn nicht vielleicht auch Orgelspielen lernen wollte“, schreibt er im jüngsten Gemeindebrief der Kirchengemeinde Biedenkopf. Da war er 14 Jahre alt.

Nach dem Militärdienst entschied er sich, das Hobby zum Beruf zu machen. Er besuchte in Frankfurt die Kirchenmusikschule der EKHN und machte im September 1980 sein Examen. Da hatte er schon seine erste und zugleich letzte Stelle angetreten, denn Dietrich Schuberth als Landeskirchenmusikdirektor hatte ihm im Frühjahr von der Vakanz in Biedenkopf berichtet und ihn zur Bewerbung ermutigt. Im Mai stand das Bewerbungsgespräch an. „Als ich abends wieder zuhause, kam der Anruf: Es hat geklappt, Du darfst!“, erinnert er sich. Und so stand neben dem Examen auch noch der Umzug mit seiner Frau Renate nach Biedenkopf an, wo er zum 1. Oktober 1980 die volle hauptamtliche B-Kirchenmusikerstelle antrat. Plies spielte die Orgel in Gottesdiensten und zu Hochzeiten wie auch Beerdigungen, leitete den Kirchenchor, einen Kinderchor und den Posaunenchor. Ein großes Anliegen war ihm immer das Ausbilden von Orgelschülern. „Drei sind hauptberufliche Kirchenmusiker geworden, viele von ihnen spielen in den Gemeinden“, freut er sich.

Als 2001 im Zuge der Dekanatsreform ein Drittel der Stelle ans Dekanat Biedenkopf abgegeben wurde, weitete Plies die Ausbildung des Organistenachwuchses auf das ganze Dekanat aus. Im Oberen Edertal erlernten viele Interessierte von ihm das Spielen der „Königin der Instrumente“, vor allem an den Orgeln in Allendorf und Frohnhausen. In dieser Zeit liegt auch die Gründung der Dekanatskantorei, die nun wie auch der Bläserkreis bis zur Neubesetzung der Stelle ruhen. Das soll baldmöglichst geschehen: Im Dekanat sind sechs Bewerbungen eingegangen, die Entscheidung wird Ende Februar getroffen.

Als besonderen Höhepunkt seiner Laufbahn nennt Edwin Plies beispielsweise das „Begegnungen“-Konzert, das 1992 mit über 1000 Sängerinnen und Sängern gemeinsam mit Johannes Nitsch und Christoph Zehendner in der Hinterlandhalle stattfand. Plies hatte dafür ganzes Jahr hindurch den gesamten Chor vorbereitet und dirigierte ihn dann zum Konzert auch. Als „Sahnehäubchen“ bezeichnet er auch den Dekanatskirchentag in Dautphe, wo er 2017 abermals nach rund einjährigen Proben mit 300 Stimmen und über 100 Bläsern agierte.

Noch viele andere schöne Ereignisse fallen dem künftigen Rentner ein, der mit seiner Frau Renate vor rund vier Jahren ins „Musikantendorf“ Weifenbach umgezogen ist, wo jetzt nochmal ein Umzug in eine kleinere Wohnung ansteht: Zwei Dekanats-Chortreffen in der Stadtkirche in den neunziger Jahren nennt er da ebenso wie die Festwoche zum 100-jährige Stadtkirchenjubiläum „mit keinem Abend ohne Musik“. Und außerdem denkt er natürlich gerne zurück an all die Abendmusik-Veranstaltungen sowie die Verabschiedungs- und Einführungsgottesdienste von Pfarrerinnen und Pfarrern in Biedenkopf, zwölf an der Zahl während seiner Dienstjahre.

Ganz von der Kirchenmusik lassen kann so ein Vollblutmusiker wie Edwin Plies natürlich auch im Ruhestand nicht: „Ich spiele regelmäßig weiter Gottesdienste, zunächst einmal im Monat in Dautphe“, kündigt er an. Außerdem will er sich endlich eine Werkstatt einrichten. „Ich werkele gerne mit Holz, mache handwerklich viel selber und habe schon ein Puppenhaus und Spielsachen gebaut“, erzählt er. Ein Projekt ist das Restaurieren seines Cembalos. Außerdem sieht er sich im Garten der neuen Wohnung arbeiten und mehr Zeit mit dem Hund verbringen. Und dann gibt es ja auch noch drei Kinder und drei Enkel, die ihren Opa jetzt vielleicht auch öfter zu Gesicht bekommen werden…