DEKANAT / Hinterland. Am Pfingstwochenende haben in mehreren Gemeinden im Hinterland Gottesdienste stattgefunden – auch dort, wo es noch keinen regulären Kirchenbetrieb gibt. So wie in Lixfeld, wo die Gläubigen das erste Mal seit dem 8. März zusammengekommen sind, in Dautphe und in Eckelshausen.

Zwar sind seit dem 1. Mai Gottesdienste eigentlich wieder erlaubt – der Kirchenvorstand Lixfeld/Frechenhausen habe sich aber dagegen entschieden, in die Kirchen zurückzukehren, betonte der Vorsitzende Matthias Schneider. „Wir sind als Kirchenvorstand für die Einhaltung der geltenden Bestimmungen verantwortlich“, führte Schneider weiter aus. Dazu gehören neben dem Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes während des Gottesdienstes auch das Abstandgebot. Demzufolge dürften in die Kirche in Lixfeld nur 25 bis 30 Besucher und in Frechenhausen gar nur 15 Besucher eingelassen werden. „Wenn ich heute sehe, dass rund 70 Besucher gekommen sind, zeigt das, dass der Raum in den Kirchen einfach zu begrenzt wäre“, kommentierte Schneider die gute Resonanz auf den Open-Air-Gottesdienst auf der Streuobstwiese des Obst- und Gartenbauvereins.

In Lixfeld kamen die Christen erstmals seit dem 8. März wieder zu einem Gottesdienst zusammen – auf der Streuobstwiese des Obst- und Gartenbauvereins. (Foto: Sascha Valentin)

Zwar muss auch unter freiem Himmel eine Maske getragen werden, doch sind hier immerhin bis zu 100 Personen erlaubt. „Deswegen wird es auch künftig noch weitere Open-Air-Gottesdienste geben“, sagte Schneider. Den nächsten am 28. Juni. „Denn in die Kirchen werden wir frühestens am 23. August zurückkehren, wenn es die Lage zulässt“, betonte Pfarrer Carsten Simon. Bis dahin sollen aber die Audio-Gottesdienste fortgeführt werden. In seiner Predigt nannte Simon die Pfingstgeschichte als einen Gegenentwurf zur Geschichte des Turmbaus von Babel. In beiden gehe es um Verständigung. Nur dass in Babel die Sprache des Wutes, Hasses und der Gewalt die Menschen spalte, während der Heilige Geist sie vereinen solle.

Ein ganzes Stück weiter sind da schon die Dautpher. Dort finden bereits seit dem 17. Mai wieder jeden Sonntag Gottesdienste in der Martinskirche und auf dem Vorplatz statt, wie Pfarrer Reiner Braun betonte. „In der Kirche mit Mundschutz, auf dem Kirchplatz ohne“, ergänzte er. Dass die Dautpher an Pfingsten trotzdem einen Autogottesdienst auf dem Festplatz feierten, liege daran, „dass die Planungen dafür bereits zu einer Zeit stattgefunden haben, als noch nicht abzusehen war, wann die Kirchen wieder öffnen dürfen“, erklärte Braun. Außerdem erreiche man mit einem solchen anderen Format vielleicht auch Menschen, die am Sonntag normalerweise nicht in den Gottesdienst in der Kirche gehen würden.

Die Dautpher haben auf dem Festplatz – oder auch Lutherplatz, weil dort früher die Missionsfeste gefeiert wurden – einen Autogottesdienst gefeiert. (Foto: Sascha Valentin)

Immerhin 45 Autos zählten die Veranstalter. „Wenn im Schnitt jedes mit drei Personen besetzt ist, kommt doch schon eine schöne Anzahl Leute zusammen“, freute sich Braun. Deutlich mehr jedenfalls, als in die Kirche gedurft hätten. Passend zur Form des Gottesdienstes hatte der Pfarrer auch das Thema seiner Predigt gewählt: Welche Auto hätte wohl Jesus gefahren? Die Antwort darauf fiel sowohl humorvoll, wie auch lehrreich aus. Aufgrund des Liedes „Stern, auf den ich schaue“ wäre ein Mercedes möglich, mutmaßte Braun. Oder eine Isetta wegen „Macht hoch die Tür“? Oder doch ein Opel, weil der Menschensohn wie ein Blitz über die Menschen kommen soll – und das Emblem Opels ein Blitz ist? Möglich wäre aber auch ein Fiat. Denn der Markenname kommt tatsächlich im lateinischen „Vater Unser“ vor. Die Textzeile „…dein Wille geschehe“ heißt übersetzt nämlich „Fiat voluntas tua“.

Auch die Kirchengemeinde Eckelshausen hat zu Pfingsten einen Gottesdienst unter freiem Himmel gefeiert. Dazu hatte sie mit Hilfe des Markierungswagens des FC Kombach Linien mit den entsprechenden Sicherheitsabständen auf die Wiese hinter dem Gemeindehaus aufgetragen. Zudem wurden auch hier, wie schon in Lixfeld, auch alle Besucher mit Adresse und Telefonnummer festgehalten, um im Ansteckungsfall die Infektionskette nachvollziehen zu können. „Das hat schon was von Campingsgottesdienst“, freute sich Pfarrer Klaas Hansen über die gut 50 Besucher, die auf Klappstühlen und Bänken im Schatten von Bäumen oder direkt in der Sonne Platz genommen hatten. Gesungen werden durfte dabei allerdings nicht. „Das wäre möglich, wenn wir vier Meter Abstand zueinander halten“, sagte Hansen.

Heiko Henkel spielt in Eckelshausen auf Klavier und Akkordeon die Lieder ein. Denn gesungen werden darf nicht. (Foto: Sascha Valentin)

In seiner Predigt ging der Pfarrer auf das Problem des Pfingstfestes ein, dessen Anlass man sich ungleich schwerer vorstellen könne als etwa Weihnachten oder Ostern. Denn der „Heilige Geist“ sei eben nicht so greifbar wie ein Kind in der Krippe. Er schlug vor, ihn sich als Hoffnungsspender vorzustellen – denn Hoffnung sei immer da, auch unter den schwierigsten Umständen. „Zu hoffen bedeutet, das Gute stets für möglich zu halten. Und wer sich das Bessere für den Menschen vorstellt, der lebt im Heiligen Geist“, betonte Hansen.

Das Bild des Open-Air-Gottesdienstes in Eckelshausen vermittelt durchaus ein Stückchen Urlaubs- und Campingcharme. (Foto: Sascha Valentin)

Der Open-Air-Gottesdienst in Eckelshausen war ein Stück auch Startschuss für die Rückkehr zu einem regelmäßigen Gottesdienst. Am 7. Juni soll es in der Kirche Kombach den ersten Live-Gottesdienst seit drei Monaten geben. „Wir wollen erstmal schauen, wie diese Gottesdienste angenommen werden und was für ein Gefühl es ist, mit Mundschutz und ohne Singen zu feiern, ehe wir langfristige Pläne machen“, sagte Hansen. Die Video-Gottesdienste, wie es sie in den vergangenen Monaten gab, sollen deswegen erst einmal weiter produziert werden – wenn auch nicht mehr wöchentlich. (Sascha Valentin)

Wir bedanken uns für die Nutzungsgenehmigung bzgl. des Textes und der Fotos herzlich bei Sascha Valentin!

Headerfoto: Die Dautpher haben auf dem Festplatz – oder auch Lutherplatz, weil dort früher die Missionsfeste gefeiert wurden – einen Autogottesdienst gefeiert. (Foto: Sascha Valentin)

Teilen und folgen