DEKANAT / Wetzlar-Naunheim / Lahnau-Waldgirmes. Das Projekt „55 plus minus“ in Naunheim und Waldgirmes ist untrennbar mit ihrem Namen verbunden: Dr. Rose Schließmann hat es über zehn Jahre hinweg aufgebaut – gemeinsam mit vielen anderen, wie sie betont. Wie es mit „55 plus minus“ weitergeht, ist nun ungewiss, denn die Gemeindepädagogin wird am Sonntag (21. Oktober) im Gottesdienst um 10 Uhr offiziell verabschiedet. Sie wechselt auf eine Stelle im Dekanat Vorderer Odenwald.

Dort wird sie sich vom Dekanatssitz in Groß-Umstadt aus als „Referentin für die Arbeit mit Menschen in der zweiten Lebenshälfte“ vorwiegend der Arbeit mit Älteren widmen; ein Thema, mit dem sie sich bereits eingehend im Rahmen ihrer Dissertation beschäftigt hat. „Das umfasst gemeindepädaogische und diakoniewissenschaftliche Aspekte“, erklärt sie. „Ich werde gemeinsam mit anderen unterschiedliche Angebote entwickeln beziehungsweise bestehende weiterentwickeln.“ Ihre neue 100-Prozent-Stelle sei zudem unbefristet: „Das ist für mich ein wertvolles Gut“, betont Rose Schließmann. Bislang arbeitete sie mit einem Umfang von 60 Prozent für die Kirchengemeinde Naunheim, seit 2011 zu 25 Prozent für das Dekanat Gladenbach in der Frauenarbeit und seit 2015 mit 15 Prozent auch für die Kirchengemeinde Waldgirmes, die damit auch beim Projekt „55 plus minus“ einstieg.

Die Arbeit mit „jungen Alten“ bildete aber keineswegs schon immer den beruflichen Schwerpunkt der gebürtigen Schwäbin, die in einem Dorf im Großraum Stuttgart aufwuchs und nach dem Abitur in der Hämatologie und Onkologie gearbeitet hat, bevor sie ihre Gemeindepädagogische Ausbildung begann. „Theologische Themen haben mich schon immer interessiert, aber ich wollte erst etwas Praktisches machen“, berichtet sie. Dann arbeitete sie elf Jahre als Jugendreferentin für das Evangelische Jugendwerk Schwäbisch-Hall, bevor sie vor elf Jahren nach Naunheim kam: „Kinder- und Jugendarbeit bis zur Rente kam für mich nicht infrage, deshalb bin ich nach Hessen gekommen und habe mich dem Schwerpunkt „Lebensmitte und Ältere“ sowie der Frauenarbeit gewidmet“. Im Naunheim war die Gemeindepädagogin außer für die Senioren- und Frauenarbeit unter anderem zuständig für die Besuchsdienstarbeit, die Taizé-Gottesdienste und eben die Projekte „ Stufen des Leben“ und „55 plus minus“.

Dr. Rose Schließmann verlässt das Evangelische Dekanat Biedenkopf-Gladenbach: Am Sonntag wird die Gemeindepädagogin nach elf Jahren in Naunheim verabschiedet. (Foto: Kordesch/eöa)

„Da haben sich viele mit ihrem Wissen und Können eingebracht“, blickt sie zurück. „55 plus minus“ bietet Menschen in der zweiten Lebenshälfte eine Plattform, um voneinander zu lernen und miteinander Neues zu entdecken – im Rahmen von Vorträgen oder Exkursionen, aber auch mit künstlerischen, kreativen oder handwerklichen Angeboten. Die Idee dazu stammte von einer Initiative aus dem damaligen Dekanat St. Goarshausen. In Naunheim und Waldgirmes umfassten die Jahresprogramme zuletzt mehr als 30 verschiedene Angebote.

Wie es jetzt weitergeht mit dem Projekt, hängt auch von der Gemeindepädagogischen Konzeption ab, die das Evangelische Dekanat Biedenkopf-Gladenbach derzeit für die sich zu Kooperationsräumen zusammenfindenden Kirchengemeinden erarbeitet. Dr. Rose Schließmann nimmt in ihren beiden Gemeinden, die zusammen mit Hermannstein die drei „Südgemeinden“ des Dekanats bilden, „eine große Lust der Menschen“ an dieser Arbeit wahr. „Die Gemeinschaft und die Bereitschaft, als Team Projekte zu bündeln und zusammenzuführen, ist eine Stärke der evangelischen Kirche“, sagt sie zuversichtlich. „Es macht viel Spaß, zusammen etwas zu entwickeln und umzusetzen, und ehrenamtliche Arbeit soll Spaß machen!“

Das Gestalten von Netzwerken und das Finden von Anknüpfungspunkten, die gegenseitige Unterstützung ermöglichen, wird auch bei ihrer neuen Aufgabe eine Rolle spielen, die sie zum 1. November antritt. „Seniorenlotsen“ wären zum Beispiel so ein Anknüpfungspunkt in einem solchen Netzwerk, überlegt sie. Wichtig sei es, dabei den Menschen auf Augenhöhe entgegenzukommen. „Das muss alles nichts Großes sein, besser sind viele kleine Verknüpfungen“, erläutert Rose Schließmann.

Im gemeinsamen Gottesdienst der beiden Kirchengemeinden, der am Sonntag um 10 Uhr in der evangelischen Kirche Naunheim gefeiert wird, verabschiedet Dekan Andreas Friedrich die scheidende Gemeindepädagogin. In Waldgirmes findet an diesem Tag kein Gottesdienst statt. Es wird ein Fahrdienst von der Kirche Waldgirmes aus angeboten. (klk/eöa)