Gladenbach. Wenn mehr als 200 Autos gleichzeitig hupen, nervt das gewöhnlich. Am Sonntagmittag jedoch freuten sich alle riesig miteinander darüber, drückte das Hupkonzert doch die Freude und Dankbarkeit der Besucher über den gelungenen Auto-Gottesdienst am Gladenbacher Einkaufszentrum aus. Zu der ersten Veranstaltung dieser Art in weitem Umkreis hatten die evangelischen Kirchengemeinden im Nachbarschaftsraum „Gladenbacher Land“ wegen des seit Wochen für Kirchenräume geltenden Gottesdienstverbots eingeladen.

„Der Auto-Gottesdienst war eine super Idee und hat gutgetan nach der langen Zeit ohne Gottesdienste!“, freute sich eine Besucherin aus Niederweidbach nach der etwa einstündigen Feier, die sie aus der ersten Reihe mitverfolgen konnte. Auch Fahrzeuge aus den benachbarten Landkreisen hatten den Weg auf den Parkplatz zwischen Supermärkten und Discountern gefunden. Eingewiesen von Mitgliedern des Gladenbacher Feuerwehrvereins konnten auch die hinteren Reihen durch die Lücken immer noch etwas vom Geschehen mitbekommen. Da die Organisatoren den Altar, die Mikrofone und ein E-Piano auf der Ladefläche eines Lastwagens aufgebaut hatten, war die Sicht auch aus größerer Entfernung kaum eingeschränkt. Für die Beschallung auch der Randbereiche sorgte das Technikteam der Evangelischen Jugend aus dem Nachbarschaftsraum.

Empfangskomitee: Pfarrer Klaus Neumeister, Pfarrerin Christina Ronzheimer uind Gemeindepädagogin Isabella Wabel begrüßten die Autogottesdienst-Besucher bei der Einfahrt mit Liedblättern und Blumensamen-Tütchen. (Foto: Klaus Kordesch/eöa)

Auf wenigstens 350 Besucher schätzten die Veranstalter schließlich die Zahl der Besucher. Oft saßen Familien oder Paare in den Autos. Nicht alle hatten an der Zufahrt noch ein Liedblatt und das Wildblumensamen-Tütchen bekommen, denn mit so vielen Gästen hatten die beteiligten Kirchengemeinden Gladenbach, Mornshausen, Erdhausen, Weidenhausen und Runzhausen nicht gerechnet.

Auf der Ladefläche eines Lastwagens feierte das Gladenbacher Team den ersten Auto- Gottesdienst mit den Besuchern in rund 200 Fahrzeugen. Dank der Lücken in den ersten Reihen konnten auch die weiter hinten Parkenden gut sehen. (Foto: Klaus Kordesch/eöa)

Auch die Befürchtungen, dass im Wagen und bei halb heruntergekurbelten Seitenscheiben – denn kein Besucher durfte sein Fahrzeug verlassen – kaum Andacht und Gottesdienstgemeinschaft aufkommen könne, bestätigte sich nicht. „Nein, das war klasse, vielen Dank an die Beteiligten!“, lobte eine Gladenbacherin, die mit ihrer Tochter und der vierjährigen Enkelin die Premiere aus der letzten Reihe verfolgt hatte: „Vielleicht könnte man für die Kinder zeitgleich noch einen Kindergottesdienst streamen?“, war ihr einziger Verbesserungsvorschlag.

Großer Andrang herrschte beim ersten Auto-Gottesdienst im Evangelischen Dekanat Biedenkopf-Gladenbach. In mehreren Reihen standen die Autos vor dem zur Bühne umfunktionierten Lastwagen. (Foto: Klaus Kordesch/eöa)

Eigentlich solle der Auto-Gottesdienst eine einmalige Sache bleiben, hatten Pfarrer Matthias Ullrich und Pfarrerin Christina Ronzheimer in der Begrüßung nach dem vom Bläserkreis Runzhausen gespielten Eingangsstück erklärt und einen umweltfreundlicheren Fahrrad-Gottesdienst für den Sommer in Aussicht gestellt. Aber die überaus positive Resonanz auf Facebook, Instagram und bei den Verabschiedungen direkt nach der Feier lassen eine Neuauflage des Auto-Gottesdiensts nicht ausgeschlossen erscheinen.

 

So haben die Akteure des Auto-Gottesdiensts von der Bühne aus ihre Gemeinde gesehen. (Foto: Klaus Kordesch/eöa)

„Es ist schon etwas seltsam, als Pfarrer nur die Gesichter hinter den Scheiben in der ersten Reihe zu sehen“, meinte Pfarrer Matthias Ullrich, der gemeinsam mit Vikarin Deborah Kehr, den Gemeindepädagogen Thomas Pospischil und Isabella Wabel sowie seinen KollegInnen Christina Ronzheimer, Axel Henß, Klaus Neumeister und Thomas Schmidt den Auto-Gottesdienst gestaltete. Aber es sei halt eine ungewöhnliche Aktion in einer ungewöhnlichen Zeit, die das Team im Nachbarschaftsraum da auf die Beine gestellt habe: „Wir arbeiten da sehr gut zusammen!“, freute sich der Theologe. Die musikalische Begleitung lag in den Händen des von Thilo Fischer geleiteten Bläserkreises Runzhausen, Solosängerin Isabella Kranz und Elke Siefken-Henß am E-Piano.

„Eine ungewöhnliche Aktion in einer ungewöhnlichen Zeit“: Der erste Auto-Gottesdienst im Evangelischen Dekanat Biedenkopf-Gladenbach und weit darüber hinaus war ein voller Erfolg. (Foto: Klaus Kordesch/eöa)

Der Coronakrise geschuldet verlief auch das Ende des ersten Auto-Gottesdiensts im Evangelischen Dekanat Biedenkopf-Gladenbach, den man übrigens auch im Internet unter evangelisch-im-gladenbacher-land.de live mitfeiern konnte, anders als aus den Kirchen gewohnt: Die Kollekte, bei der mehr schließlich als 1000 Euro für die Diakonie-Katastrophenhilfe zusammenkamen, wurde an der Ausfahrt in große Tüten eingeworfen, und statt des Handschlags vom Pfarrer an der Kirchentür gab es dessen Winken durchs Autofenster bei der Abfahrt. (klk/eöa)

 

Verabschiedung nach dem Gottesdienst in Corona-Zeiten: Mit Maske winken die Pfarrerinnen und Pfarrer den Besuchern zu. (Foto: Klaus Kordesch/eöa)

Der Bläserkreis Runzhausen unter der Leitung von Thilo Fischer begleitete den ersten Auto-Gottesdienst im Evangelischen Dekanat Biedenkopf-Gladenbach musikalisch. (Foto: Klaus Kordesch/eöa)

Pfarrer Matthias Ullrich und Isabella Kranz singen im Verlauf des Gladenbacher Auto-Gottesdiensts ein Lied. (Foto: Klaus Kordesch/eöa)

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