EKHN / DEKANAT. Bis mindestens zum Ende der hessischen Osterferien – also bis 17. April – werden alle öffentlichen Veranstaltungen im Evangelischen Dekanat Biedenkopf-Gladenbach abgesagt. Dekan Andreas Friedrich hat in Absprache mit Pröpstin Annegret Puttkammer in einem Rundschreiben die Kirchengemeinden gebeten, sich diesem Vorgehen anzuschließen. Auch die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) hat gestern “Dringende Handlungsempfehlungen” zum Umgang mit dem Corona-Infektionsrisiko veröffentlicht.

Die “normalen” Gottesdienste sollen möglichst stattfinden, da deren Besuch zum einen freiwillig sei und sie zum anderen eine Gelegenheit darstellen, sich mit seiner Ungewissheit und Angst an einen Ort der Hoffnung und des Trostes zu begeben, schreiben Pröpstin Puttkammer und Dekan Friedrich. Gottesdienste mit „Verpflichtungscharakter“ aber, zum Beispiel Vorstellungsgottesdienste der Konfirmanden, die Konfirmationen selbst wie auch die Feier von Konfirmations-Jubiläen oder Familiengottesdienste mit Kindergärten sollten nicht stattfinden, lautet ihre Empfehlung. Wie auch die Kirchenleitung in ihren Handlungsempfehlungen raten die Pröpstin und der Dekan zum Verzicht auf Abendmahlsfeiern und Elemente wie den Friedensgruß. Außerdem sollen Konfirmanden-Fahrten und -freizeiten – analog zur Absage der schulischen Klassenfahrten – storniert beziehungsweise verschoben werden.

Hinweis: Am Ende des Artikeltextes finden Sie unter dem Titel “Fürchtet euch nicht” eine Meditation und ein Gebet zu Psalm 34,8 von Pfarrerin Doris Joachim vom Referat Gottesdienst im Zentrum Verkündigung der EKHN.

“Die letztverantwortlichen Entscheidungen dazu trifft jeweils der Kirchenvorstand”, betonen Annegret Puttkammer und Andreas Friedrich. “Wir sind uns sehr bewusst, dass die Absage beziehungsweise das Verschieben von Vorstellungs- und Konfirmationsgottesdiensten – jedenfalls im Moment aller, die noch vor Ostern geplant sind – mit großer Unruhe, Stornierungen, Enttäuschung und eventuell auch Protest verbunden sein wird”, wissen beide: “Allerdings sind die Umstände so, dass wir da wenig Spielraum sehen. Für uns alle ist das eine sehr schwierige Situation, und es ist sehr bedauerlich, dass so viele, teils lange geplante Veranstaltungen abgesagt werden müssen.”

Außer der für den 21. März angesetzten Dekanatssynode samt der zuvor im Gottesdienst vorgesehenen Einführung von Pfarrerin Christina Ronzheimer als Stellvertretende Dekanin wird auch der für Juni 2020 geplanten Partnerschaftsbesuch aus Tansania ins Jahr 2021 verschoben. “Stornofristen für Flüge und Versicherungen lassen uns da keinen Spielraum mehr”, erklären Dekan Friedrich und Partnerschafts-Referentin Marion Schmidt-Biber. Eine sinnvolle Durchführung der Besuchsreise sei angesichts der Quarantäne-Bestimmungen afrikanischer Staaten nicht mehr zu gewährleisten.

Als Präventivmaßnahme, um das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten, werden auch der Jugendgottesdienst (JuGo) der Evangelischen Jugend im Dekanat Biedenkopf-Gladenbach am Sonntagabend in Niederdieten sowie das Trauercafé des Hospizdienstes Immanuel abgesagt, das am Sonntagnachmittag im Café Lifetime in Biedenkopf hätte stattfinden sollen. (klk/eöa)

 

Die “Dringende Handlungsempfehlungen” der EKHN im Wortlaut und als pdf-Datei

20-03-13 Handlungsempfehlungen Corona Virus EKHN (Stand: 13. März 2020)

Die weitere Ausbreitung des Corona-Virus ist eine schwerwiegende Bedrohung. Es ist mittlerweile sehr deutlich, dass es nicht nur darum geht, Einzelne zu schützen. Gemeinsam müssen wir alles tun, um eine Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Das ist nötig, um eine ausreichende Versorgung für alle Erkrankten zu gewährleisten. Deshalb muss alles getan werden, um Situationen zu vermeiden, die Infektionen begünstigen. Das Virus kann
sich vor allem dann weiter verbreiten, wenn viele Menschen zusammenkommen. Da wir als Kirche immer wieder Menschen in Gottesdiensten, Veranstaltungen und in unserer täglichen Arbeit zusammenführen, haben wir eine große Mitverantwortung. Mit unserer Botschaft ist der Anspruch verbunden, gerade diejenigen zu schützen, die besonders gefährdet sind. Das sind in der gegenwärtigen Bedrohung Menschen mit Vorerkrankungen und alte Menschen, aber selbstverständlich auch alle anderen.

Die Kirchenleitung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) gibt deshalb Handlungsempfehlungen für Kirchengemeinden, Dekanate und Einrichtungen und bittet dringend, diese zu beachten. Die Handlungsempfehlungen werden von einem eingesetzten Krisenstab der Lage entsprechend fortlaufend aktualisiert. Aktuelle Informationen finden sich im Internet hier: www.ekhn.de/corona. Individuelle Fragen bezüglich Verhalten und Planung im Rahmen kirchlicher Arbeit können an die zentrale E-Mail-Adresse corona@ekhn.de gerichtet werden. Weitere Hinweise zum Umgang mit der Infektionsgefahr mit dem Corona-Virus finden Sie auf der Website der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: bzga.de.

Generelle Linie: Verzicht auf Veranstaltungen

Alle Veranstaltungen, zu denen Menschen auf engem Raum zusammenkommen, bergen das Risiko, dass Viren übertragen werden und anschließend in neue Kreise der Bevölkerung gelangen. Dies gilt umso mehr für Veranstaltungen, zu denen Menschen überregional anreisen. Deshalb empfehlen wir eine grundsätzliche Absage aller Veranstaltungen anhand der folgenden Kategorien:

Öffentliche Veranstaltungen

Gemäß Erlass des Hessischen Sozialministeriums und der Empfehlung der rheinlandpfälzischenLandesregierung sind öffentliche Veranstaltungen mit über 1.000 Teilnehmer*innen abzusagen. Auch andere öffentliche Veranstaltungen mit weniger als 1.000 Teilnehmenden sollen abgesagt werden (z.B. Konzerte und Konferenzen).

Interne Veranstaltungen

Auch bei internen Veranstaltungen ist kritisch zu prüfen, ob diese unbedingt notwendig sind oder ob auf sie verzichtet werden kann (z.B. Gemeindekreise, Chorproben, Sitzungen, Schulungs- und Fortbildungsmaßnahmen sowie Reisen).

Gottesdienste

Gottesdienste haben eine wichtige seelsorgliche Funktion. Sie können nach unserer Einschätzung zurzeit weiterhin stattfinden, sofern es die örtlichen Bedingungen erlauben. Bei der Entscheidung sind folgende Kriterien zu beachten:
· Anweisungen und Empfehlungen örtlicher Behörden sind zu befolgen.
· Gibt es in der Nähe bekannte Infektionsfälle?
· Können die Teilnehmenden im Gottesdienstraum den empfohlenen Sicherheitsabstand von einem Meter einhalten?
· Kann das Risiko durch Maßnahmen minimiert werden (z.B. durch gutes Lüften und Desinfizieren)?

In der Liturgie soll auf körperliche Nähe und direkten Kontakt verzichtet werden. Dies betrifft insbesondere den Friedensgruß, den Handschlag sowie das Austeilen von Gesangbüchern. Wo möglich, können Streaming-Angebote oder On-Demand-Angebote (Audio und / oder Video) gemacht werden. Auch Fernseh- und Rundfunkgottesdienste können in dieser Zeit eine Alternative sein.

Vorerst Verzicht auf das Abendmahl

Es wird empfohlen, bis auf Weiteres auf die Feier des Abendmahles zu verzichten. Für die Karwoche und Ostern werden aktuelle Empfehlungen entsprechend der dann gültigen Lage gegeben. Hausabendmahle sollten im Rahmen der Seelsorge weiterhin möglich sein.

Vorstellungsgottesdienste und Konfi-Freizeiten

Vorstellungsgottesdienste und Konfi-Freizeiten, die in den nächsten Wochen geplant sind, sollen abgesagt werden. Ob und wann sie wieder möglich sind, hängt von der Entwicklung der Pandemie ab.

Konfirmationsgottesdienste

Wie mit den Konfirmationsgottesdiensten umzugehen ist, wird derzeit geprüft. Es ist damit zu rechnen, dass auch die Konfirmationen verschoben werden müssen. Eine Empfehlung folgt bis spätestens 20. März.

Jubiläen, Verabschiedungen, Amtseinführungen, Ordinationen

Sofern geplant ist, Jubiläen, Verabschiedungen, Amtseinführungen und Ordinationen in einem öffentlichen Rahmen zu feiern, sollen sie verschoben werden.

Tauf-, Trau- und Bestattungsgottesdienste

Auch bei Tauf-, Trau- und Bestattungsgottesdiensten muss der Schutz der Teilnehmenden im Vordergrund stehen. Vor Ort ist zu prüfen: Gibt es eine vertretbare Form, bei der die allgemeinen Vorsichtsmaßnahmen eingehalten werden können? Bei Bestattungen kann durch eine Feier unter freiem Himmel die Ansteckungsgefahrverringert werden.

Kindertagesstätten und kirchliche Schulen

Kindertagesstätten und kirchliche Schulen halten sich an die Vorgaben der Schulämter und ggf. des zuständigen Gesundheitsamtes.

Häusliche Besuche

Bei persönlichen Kontakten im Rahmen der Seelsorge geht es darum, Begleitung zu gewährleisten und das Ansteckungsrisiko zu minimieren. Empfehlungen zur konkreten Umsetzung für Hausbesuche, Besuchsdienste und Besuche in Heimen werden derzeit erarbeitet. Bei Besuchen in Seniorenheimen soll vorher mit der Hausleitung geklärt werden, in welchem Rahmen Kontakte möglich sind.

Alle sind in der Verantwortung

Ehrenamtliche sind wie Hauptamtliche in der Pflicht, das Corona-Virus nicht weiterzutragen. Wer sich in einem Risikogebiet aufgehalten hat oder mit Infizierten oder mit Personen aus einem Risikogebiet in Kontakt war, soll Gottesdienste und andere Veranstaltungen für zwei Wochen nicht besuchen.

Geistliche Herausforderung

Die Corona-Pandemie ist eine große Belastung für viele Menschen, für die Wirtschaft und die Gesellschaft insgesamt. Die große Infektionsgefahr zwingt uns zu sehr schmerzlichen Maßnahmen. Uns liegt daran, Menschen so zusammenzubringen, dass sie miteinander gestärkt werden – durch das Hören auf Gottes Wort, durch Gesang, Gebet, Gespräch und darin, dass sie aneinander Anteil nehmen und sich gegenseitig unterstützen. Jetzt ist es geboten, vielfach Abstand voneinander zu halten, wo es doch gerade in solchen Zeiten auch schützende und anteilnehmende Gemeinschaft braucht. Es geht deshalb auch darum, die Notwendigkeit, dass wir einander schützen, als gemeinschaftliches Handeln zu begreifen, mit dem wir uns umeinander sorgen. Und es geht darum, auch in den Zeiten des Abstands voneinander, Formen zu suchen und zu pflegen, in denen wir miteinander Halt und Kraft im Evangelium finden. Nächstenliebe ist und bleibt unser Maßstab.

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Fürchtet euch nicht – Meditation und Gebet zu Psalm 34,8

Der Wochenpsalm zu Okuli ist Psalm 34,16-23

Ich habe mir die Freiheit genommen, mich nur auf Vers 8 zu beziehen.

 

Meditation

Der Engel Gottes  lagert sich um die her, die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus.

 

Engel.

Sie lagern um uns herum.

Sie breiten ihre Flügel aus oder ihre Arme – je nach dem.

Sie schützen nicht vor dem Virus.

Aber vor der Angst.

Das können sie:

Uns die Angst nehmen.

Und die Panik vor dem, was uns beunruhigt.

Engel wiegen uns nicht in falscher Sicherheit.

Aber sie können die verängstigte Seele wiegen.

In ihren Armen oder Flügeln – je nach dem.

 

Im Moment reicht ein Engel nicht.

Da brauchen wir schon ein paar mehr.

Die Fülle der himmlischen Heerscharen,

wie damals – als Jesus geboren wurde – da waren sie alle da.

Die Engel.

Und sie haben gesagt: Fürchtet euch nicht.

Denn sie fürchteten sich – also die Hirten.

Und wir fürchten uns auch.

Vor dem, was plötzlich kommen könnte.

Oder was schon da ist.

Wir fürchten uns vor der Ungewissheit und vor dem,

was uns den Boden unter den Füßen wegzureißen droht.

Damals haben die Engel eine große Freude verkündet,

die allem Volk widerfahren soll.

Nämlich, dass der Heiland geboren sei.

 

Das klingt wie von einem anderen Stern.

„Große Freude.“

Aber wieso sollte das nicht auch heute gelten?

Ist Gott etwa nicht da, nur weil das Virus da ist?

Fürchtet euch nicht.

Das will ich auch jetzt hören.

Daran halte ich mich fest.

Mitten in der Angst – Freude.

Mitten in der Angst – ein Lächeln.

Mitten in der Angst – helfende Menschen.

Mitten in der Angst – Solidarität unter uns.

Das gibt es ja alles.

Trotz Corona. Mancherorts auch gerade wegen Corona.

Mitten in der Angst, mitten in der Sorge – die Engel.

Sie schützen nicht vor dem Virus – so ist das halt.

Aber es sind die himmlischen Wesen, die uns Bodenhaftung geben können.

 

Okuli – das heißt: meine Augen.

Ich will meine Augen öffnen und die Engel sehen.

Oder hören. Oder spüren.

In mir, hinter mir, neben mir.

Auch in den Menschen, denen ich begegne.

Jetzt halt etwas mehr auf Abstand oder per Telefon.

So geht es auch.

Gottes Engel lagern um uns her und helfen uns heraus.

Das glaube ich gewiss.

 

Gebet

Jetzt, mein Gott, täten Engel gut.

An unserer Seite und um uns herum.

Denn wir brauchen Mut.

Und Phantasie.

Und Zuversicht.

Darum: Sende deine Engel.

 

Zu den Kranken vor allem.

Stille

Und zu den Besorgten.

Stille

Sende deine Engel zu denen, die anderen zu Engeln werden:

Ärztinnen und Pfleger,

Rettungskräfte und Arzthelferinnen,

alle, die nicht müde werden, anderen beizustehen.

Stille

Sende deine Engel zu den Verantwortlichen

in Gesundheitsämtern und Einrichtungen,

in Politik und Wirtschaft.

Stille

Und zu den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern

auf der Suche nach Heilmitteln und Impfstoffen.

Stille

Sende deine Engel auch zu denen,

an die kaum jemand denkt – jetzt in der Zeit der Epidemie:

Die Menschen auf der Straße,

die Armen,

die Geflüchteten in den Lagern in Griechenland

und im türkisch-griechischen Grenzgebiet.

Stille

Jetzt, mein Gott, tun uns die Engel gut.

Du hast sie schon geschickt.

Sie sind ja da, um uns herum.

Hilf uns zu sehen, was trägt.

Was uns am Boden hält und mit dem Himmel verbindet,

mit dir, mein Gott.

Denn das ist’s, was hilft und tröstet.

Jetzt und in Ewigkeit. Amen.

 

Pfarrerin Doris Joachim

Referat Gottesdienst im Zentrum Verkündigung der EKHN