BIEDENKOPF. Vom Vogelsberg über Frankfurt nach Biedenkopf: Für Ernst-Detlef Flos bedeutet die Pfarrstelle in der Kleinstadt an der Lahn trotz seiner langjährigen Berufserfahrung wieder einmal etwas ganz Neues – und das hat er sich auch ganz bewusst so ausgesucht. Mitte August hat er die seit Jahresbeginn vakante Pfarrstelle Biedenkopf West übernommen, am Sonntag (16. September) wird er nun offiziell in sein neues Amt eingeführt.

Seine fünf Jahre in der Frankfurter Cyriakus-Gemeinde bezeichnet der 51-jährige Theologe als ebenso spannend wie herausfordernd und abwechslungsreich. „Die Stadt verändert sich in einem unwahrscheinlich schnellen Tempo“, sagt er. In den vergangenen zehn Jahren habe seine Gemeinde eine Fluktuation von rund 75 Prozent zu verzeichnen gehabt. „Und das ist nicht mal ungewöhnlich für Frankfurt“, sagt er. Er habe aber für sich festgestellt, dass er am besten über längere Zeit mit gleichbleibenden Menschen zusammenarbeiten könne. „Daraus ist dann das Interesse an einer räumlichen Veränderung erwachsen“, erzählt der in Herborn geborene und in Biskirchen an der Lahn aufgewachsene Seelsorger.

Die Kirchengemeinde Biedenkopf hat da offenbar gut seinen Wünschen entsprochen: Ein starke kleinstädtische Gemeinde mit zwei Pfarrstellen und vielen engagierten Menschen – das weckte die Neugier des Pfarrers, der mit seiner Frau Simone Quatuor-Flos ins Pfarrhaus gezogen ist. Der 25-jährige Sohn des Paares lebt in Kassel, wo auch Simone Quatuor-Flos herkommt. Dass Kassel nun näher gerückt ist – auch das habe eine Rolle bei der Entscheidung gespielt, sagt Flos.

Neben den letzten Umzugskisten hängt schon der Talar am Büroschrank: Am Sonntag wird Pfarrer Ernst-Detlef Flos offiziell als Pfarrer in Biedenkopf begrüßt. (Foto: Kordesch/eöa)

Vor seiner Bewerbung traf er sich mit Pfarrerin Natascha Reuter zu einem persönlichen Gespräch und kam mit durchweg positiven Eindrücken zurück. „Das hat mich darin bestärkt, mich zu bewerben“, berichtet Flos. Seit er in Biedenkopf ist, habe er unter anderem schon die Konfirmanden und die Kirchenvorsteher kennengelernt. In Büro und Wohnung seien zwar noch nicht alle Umzugskartons ausgepackt, aber beide immerhin „betriebsfähig“, meint der neue Seelsorger. Derzeit sei für ihn vor allem „klar Schiff machen und sortieren angesagt“, konkrete Vorhaben und Projekte wolle er erst in Absprache mit seiner Kollegin und dem Kirchenvorstand angehen.

Wohnung und Büro sind schon „betriebsfähig“: Pfarrer Ernst-Detlef Flos und seine Frau richten sich derzeit im Pfarrhaus ein. (Foto: Kordesch/eöa)

In seiner bisherigen Frankfurter Gemeinde war neben der offenen Jugendarbeit und der schulbezogenen Kinder- und Jugendarbeit die Begleitung der rund 40 Mitarbeitern – vor allem in den beiden Kindergärten der Gemeinde – Schwerpunkte der Arbeit. „Mit der Kirchengemeinde waren wir im Stadtteil Rödelheim präsent“, erinnert sich Flos. Das habe auch Kooperationen wie ein breites Bündnis zugunsten der Gedenkstätte am Platz der ehemaligen Synagoge Rödelheim und eine Unterschriftenaktion gegen Rassismus erleichtert, als diese von antisemitischen Schmierereien betroffen gewesen sei. Der jüdische Glaube als Grundlage der christlichen Religion ist für Ernst-Detlef Flos ein ganz wichtiges Thema: „Der christliche Glaube wäre unter Preisgabe seiner jüdischen Wurzeln nicht denkbar und glaubwürdig“, unterstreicht er: „Das käme einer Selbstenthauptung gleich.“

Im Vogelsberg hingegen, wo Flos nach seinem Wechsel aus der Evangelischen Kirche im Rheinland 2004 seine erste Pfarrstelle innerhalb der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) antrat, bestand die Hauptaufgabe im näheren Zusammenbringen von vier Dörfern, die bis dahin noch zwei Pfarrgemeinden mit zwei Pfarrern gebildet hatten – aber auch jetzt immer noch vier Kirchenvorstände mit vier eigenen Haushalten hatten. Neben einer gemeinsamen Konfirmandenarbeit entstanden zum Beispiel ein gemeinsamer Frauenkreis oder auch gemeindeübergreifende Fahrten. Zusammen mit seiner Frau entwickelte Flos in diesem Zusammenhang auch die Idee eines Kirchen-Kleinkunst-Cafés, das die dörfliche Kommunikationskultur und das soziale Miteinander beförderte. Das besaß auch integrative Funktion für die vier Dörfer“, erinnert sich Flos. „Das Ziel war Kooperation, nicht Fusion“, erzählt der Theologe, und das klingt ähnlich wie bei den von der Landeskirche betriebenen „Kooperationsräumen“, die sich auch im Dekanat Biedenkopf-Gladenbach derzeit zusammenfinden.

Biedenkopf kannten wir vorher noch nicht, aber vielleicht war ich in meiner Kindheit mal mit meinen Eltern hier“, überlegt er., „vom Grenzgang hab ich aber schon gehört und auch Thomés Buch gelesen, das ich von einem ehemaligen Biedenkopfer Vikar geschenkt bekommen habe.“ Seit seinem Einzug ins Pfarrhaus werde er hinsichtlich des Grenzgangs zuverlässig mit weiterem „Grund- und Detailwissen versorgt“, meint er etwas süffisant: „Aber die Mundart muss ich erst lernen, wie eine Fremdsprache.“ (klk/eöa)