Gladenbach. Die Coronakrise hat die evangelischen Kirchengemeinden im Gladenbacher Land auf eine neue kreative Idee gebracht: Am kommenden Sonntag feiern sie um 10 Uhr auf dem Parkplatz des Gladenbacher Einkaufszentrums einen Autogottesdienst – den ersten überhaupt im Hinterland und im Dekanat.Seit sechs Wochen können Christinnen und Christen keine öffentlichen Gottesdienste mehr in den Kirchen miteinander feiern. „Schmerzhaft war vor allem, dass wir Ostern nicht gemeinsam feiern konnten”, sagt Pfarrer Matthias Ullrich aus Gladenbach. “Und dann sind ja auch die Konfirmationen und Goldenen und Diamantene Konfirmationen ausgefallen”, bestätigt die Stellvertretende Dekanin Christina Ronzheimer aus Runzhausen.

Beholfen hat man sich in dieser Zeit mit Videoaufnahmen von Gottesdiensten und Andachten, die auf YouTube ins Internet gestellt wurden. Hohe Zugriffszahlen haben besonders die täglichen Andachten “Ein paar Minuten Zuversicht”, die schon seit MItte März vom Dekanat Biedenkopf-Gladenbach organisiert werden. “Doch dann haben wir uns überlegt, ob es nicht doch eine Möglichkeit gibt, dass wir als Christinnen und Christen leibhaftig zusammenkommen und miteinander Gottesdienst feiern. So ist die Idee eines Autogottesdienstes entstanden”, sagt Ullrich. Dies sei aber nur eine Notform in einer besonderen Notlage, schränkt sein Kollege Klaus Neumeister ein.

Dass ab 1. Mai wieder Gottesdienste erlaubt sind, freut die Pfarrerinnen und Pfarrer sehr. “Aber sie sind ja mit hohen Auflagen verbunden”, erläutert Thomas Schmidt von der Kirchengemeinde Mornshausen. So sei etwa das Singen nur eingeschränkt oder gar nicht erlaubt, ebenso beschränkten die Abstandsregelungen die Zahl der Teilnehmenden doch sehr, besonders in den kleineren Dorfkirchen. Den von langer Hand geplanten Autogottesdienst wollten sie daher nicht ausfallen lassen. Gemeindepädagoge Thomas Pospischil, der einen großen Teil der praktischen Organisation übernommenhat, bittet darum, sich an die Anweisungen zur Einfahrt auf die Parkplätze zu halten. Natürlich ist die Parkplatzgröße auch eine Beschränkung der Teilnehmerzahl.

Pfarrer Axel Henß aus Weidenhausen betont, dass immer nur Personen aus einem gemeinsamen Haushalt in einem Auto zusammen am Gottesdienst teilnehmen können. Ansonsten gelte pro Auto eine Person. “Leider können wir auch kein paralleles Kinderprogramm oder einen Kindergottesdienst anbieten”, sagt Gemeindepädagogin Isabella Wabel, “wer kleine Kinder dabei hat, sollte darum vielleicht auch eine Beschäftigungsmöglichkeit für sie im Auto dabei haben.”

“Nun ist alles geplant”, sagt Ulrich, “jetzt hoffen wir auch, dass viele Menschen an dem Gottesdienst teilnehmen.” Beide große Parkplätze des Einkaufszentrums stehen zur Verfügung. Möglicherweise werde aber die Sicht auf den auf einem LKW aufgebauten Altarraum nicht von überall optimal sein. Über die Lautsprecher können aber alle den Gottesdienst verfolgen. “Und man kann den Gottesdienst im Internet live mitfeiern über evangelisch-im-gladenbacher-land.de”, ergänzt Vikarin Deborah Kehr. (PM NaRa Gladenbacher Land / va. Matthias Ullrich)