Nachbarschaftsraum Gladenbacher Land. Mit einem Wander-Gottesdienst an Christi Himmelfahrt (Donnerstag, 21. Mai) begegnen die evangelischen Kirchengemeinden im Nachbarschaftsraum Gladenbacher Land den Schwierigkeiten, die auch nach dem Aufheben des Verbots damit verbunden sind, gemeinsam Gottesdienst zu feiern. Zwischen 9 und 14 Uhr kann man sich von unterschiedlichen Orten aus individuell auf die Strecke begeben.

„Wir als Kirchen stehen derzeit vor einem schwierigen Dilemma“, berichtet Pfarrer Matthias Ullrich. „Nach dem langen Gottesdienstverbot können jetzt zwar offiziell wieder Gottesdienste in unseren Kirchen gefeiert werden, aber nur unter sehr hohen Auflagen, so dass sie fast nicht mehr als Gottesdienste zu erkennen sind.“

So dürfe etwa nicht gesungen und kein Abendmahl mit Brot und Wein gefeiert werden, erklärt seine Kollegin Christina Ronzheimer aus Runzhausen und Pfarrer Axel Henß aus Weidenhausen ergänzt: „Die Abstandsregeln lassen nur eine einzelne Besetzung auf markierten Plätzen zu. Nur zwei Personen pro Bank und jede zweite Reihe muss frei bleiben. Von Sprechern muss sogar vier Meter Abstand gehalten werden.“

Dadurch seien Gottesdienste in den kleineren Kirchen des Evangeliuschen Nachbarschaftsraums Gladenbnacher Land wie Römershausen, Frohnhausen, Friebertshausen, Rüchenbach, Diedenshausen oder Sinkershausen im Grunde gar nicht möglich. „Und auch in den großen Kirchen wie Gladenbach, Weidenhausen, Erdhausen oder Mornshausen können höchsten 20 bis 30 Personen teilnehmen“, sagt Pfarrer Thomas Schmidt aus Mornshausen. Zudem müssten alle Gottesdienstteilnehmer namentlich registriert werden, was für manche eine Hürde sei.

 

„So sind wir als Pfarrteam hier im Gladenbacher Land auf der Suche nach neuen Formen für Gottesdienste, die auch unter den Bedingungen von Corona möglich sind“, beschreibt Pfarrer Klaus Neumeister die Situation. Eine neue Idee sei nun ein „Wandergottesdienst“ an Christi Himmelfahrt. „Dabei geht es aber nicht um eine gottesdienstliche Versammlung, sondern um eine individuelle Wanderung mit Gebet und Meditation“, erklärt sein Gladenbacher Kollege Ullrich. „Wir haben eine Wanderroute von neun Kilometern Länge ausgesucht. Hier kann man überall seinen eigenen Weg beginnen und auch enden.“

Während der Wanderung seien die Teilnehmer eingeladen zur stillen Andacht, zur Meditation über Bibelworte in der Natur, zum Gebet, zum Hören auf Lieder und das Singen der Vögel und zur Begegnung mit anderen Christinnen und Christen, die auch unterwegs sind. „Selbstverständlich mit entsprechendem körperlichen Abstand“, betont Neumeister. Auch müssten sich alle Teilnehmer selbst versorgen. Gemeinsames Picknicken in Gruppen sei ebenso nicht erlaubt.

An der Strecke gibt es vier thematische Stationen zu den Themen Himmel, Blumen, Vögel und Berge, an denen die Wanderer geistliche Impulse, Gebete und Psalmen in Papierform und auch digital mitnehmen können. Über QR-Codes können die Texte, Lieder und Melodien auf das eigene Smartphone heruntergeladen werden.

Die Themenstationen sind vorgesehen am Evangelischen Gemeindehaus Blankenstein in Gladenbach, an den Pflanzgärten in Runzhausen, am Alten Sportplatz in Römershausen und der Schutzhütte in Kehlnbach. Hier kann man auch parken und seine Wanderung beginnen und enden. „Die Stationen sind aber keine Aufenthaltsstationen, sondern Durchgangsstationen“, betont Ronzheimer, „es soll ja wegen Corona keine Menschenansammlungen geben.“ Schöner sei es ja auch, wenn die Menschen aus den Orten bis zur Strecke hinlaufen würden.

Auch soll es nicht einen gemeinsamen Startpunkt um 9 Uhr geben, sondern jeder kann in der Zeit zwischen 9 und 14 Uhr auf der Strecke wandern. Danach werden die Impulse an den Stationen wieder abgeräumt. „Ein solcher Weg kann eine intensive geistliche Erfahrung sein“, glaubt Ullrich. Auch wenn es natürlich den gemeinsamen Gottesdienst in der Kirche nicht wirklich ersetzen könne.

Das Pfarrerteam appelliert dabei an die Selbstverantwortung aller Teilnehmer: „Es funktioniert freilich nur, wenn alle sich auch an die Hygienevorschriften halten und entsprechende Abstände einhalten, keine Gegenstände austauschen und Menschenansammlungen vermeiden“, sagt Schmidt. Dennoch hoffen die Kirchengemeinden auf eine hohe Beteiligung und laden alle dazu ein, teilzunehmen. Menschen, die im gleichen Hausstand leben, dürfen auch gemeinsam laufen.

Wer nicht gut zu Fuß ist, kann sich die Impulse, die auch auf der Homepage www.evangelisch-im-gladenbacher-land.de zu finden sein werden, auch ohne Wanderung an einer der Themenstationen abholen oder abholen lassen. Mut gibt dem Pfarrteam der große Erfolg des Autogottesdienstes am 3. Mai auf den Parkplätzen des Einkaufszentrums in Gladenbach. Da habe es so viele positive und dankbare Rückmeldungen gegeben, dass auch diese Form des Gottesdienstes noch einmal wiederholt werden soll am Pfingstsonntag, den 31. Mai, um 10 Uhr.