DEKANAT. Zum ersten Mal seit Menschengedenken werden am Sonntag keine Gemeindegottesdienste stattfinden, um der Ausbreitung des Coronavirus entgegenzuwirken. Pröpstin Annegret Puttkammer hat sich Gedanken um Gottesdienste in Corona-Zeiten gemacht. Dazu passt, dass im Dekanat nun sonntags alle Glocken läuten, um zum häuslichen Gebet einzuladen. 

Die Kirchengemeinden im Evangelischen Dekanat Biedenkopf-Gladenbach wollen während der gottesdienstlosen Wochen in allen Kirchen sonntags um 10 Uhr die Glocken für fünf Minuten läuten, um stattdessen zum persönlichen häuslichen Gebet einzuladen und an die Gottesdienstgemeinschaft zu erinnern. Pfarrerin Annegret Puttkammer, die Pröpstin für Nord-Nassau, ermuntert zum Gottesdienst im privaten Rahmen:

 

Gottesdienste in Corona-Zeiten

Keine Gottesdienste bis zum Ende der Osterferien. Doch: Unsere Gottesdienste fallen nicht einfach aus. Wir feiern sie anders: zu Hause – gemeinsam verbunden in räumlicher Distanz. Um Menschenleben zu retten!

Die Kirchenleitung der EKHN bittet dringend darum, alle Gottesdienste bis nach den Osterferien, d.h. einschl. 19. April abzusagen. Dies ist für die Kirchengemeinden eine große Herausforderung! Gründonnerstag, Karfreitag und Ostern ohne Gottesdienste ist eigentlich unvorstellbar. In diesem Jahr müssen wir uns aber darauf einstellen – um Menschenleben zu retten! Sollten wir die Verbreitung des Corona-Virus nicht verlangsamen, müssen wir uns ansonsten auf Tausende von Toten einstellen. Das können Christenmenschen nicht verantworten. Deshalb also, aus Gründen der Nächstenliebe verzichten wir in den kommenden Wochen schweren Herzens auf gottesdienstliche Versammlungen.

Aber wir feiern doch Gottesdienst! In unseren Häusern, gemeinsam verbunden in räumlicher Distanz. Die Gemeinden stellen Anregungen für Haus-Gottesdienste zur Verfügung, die Familien, Ehepaare und auch Einzelne in ihren Wohnungen feiern können. Zur gewohnten Gottesdienstzeit trifft man sich also nicht persönlich in der Kirche, weiß aber: Andere sitzen nun mit derselben Liturgie in ihren Wohnzimmern oder Küchen, sie lesen dieselbe Predigt, sie beten gemeinsam. 

Vielerorts werden zur Gottesdienstzeit die Glocken läuten. Sie rufen ja nicht nur zum Gottesdienst, sondern ebenso zum Gebet. Oft stehen die Kirchen sonntags offen zur stillen Andacht. Und die Pfarrerinnen und Pfarrer, aber auch viele Ehrenamtliche stehen zum Gespräch bereit, notfalls per Telefon. Es gibt auch viele die digitalen Möglichkeiten (z.B. täglich „5 Minuten Zuversicht“ und die Gottesdienste in Radio und Fernsehen. 

Wir tun das, um Menschenleben zu retten! Und unser Gott wird Wege finden, uns auch in diesen Zeiten zu stärken und aufzurichten. Denn „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit!“ (2.Tim 1,7)

Beten wir um Heilung für die Erkrankten, um Gelassenheit in der Bevölkerung, um Weisheit und Weitblick für alle Verantwortlichen und um Gottes Geist für alle, die an wirksamen Medikamenten forschen.

Gott segne und behüte Sie!

Ihre Annegret Puttkammer

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