Biedenkopf. Die Wanderausstellung „Kinder in Heimen von 1945 bis 1975“ der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) wird am Sonntag (29. September) im evangelischen Gemeindehaus im Anschluss an den 10 Uhr in der benachbarten Stadtkirche beginnenden Familiengottesdienst eröffnet. Sie ist dort vom 29. September bis 25. Oktober 2019 zu sehen.

Gemeinsam mit der Evangelischen Kirchengemeinde Biedenkopf und der Stadt Biedenkopf betrachtet der sozial-diakonische St. Elisabeth-Verein e.V. ein wichtiges Kapitel der Kinder- und Jugendhilfe. „Wir wollen aufklären und uns auch mit der Geschichte der Heimerziehung in unserer Region beschäftigen“, erklärt Heinz Jürgen Göbel, Geschäftsbereichsleiter des St. Elisabeth-Vereins in Biedenkopf.

„Kinder in Heimen von 1945 bis 1975“ ist der Titel einer Ausstellung, die auf Initiative des St. Elisabeth-Vereins vom 29. September bis 13.Oktober im Evangelischen Gemeindehaus und im Rathaus Biedenkopf zu sehen ist. (Foto: EKHN)

Auch wenn es in dem Zeitraum keine evangelischen Heime in der Region gab, ist diese Epoche auch für das Hinterland sehr interessant. Immerhin war das Jugendheim Staffelberg, das im Jahr 1961 als „modernstes Jugendheim Europas“ in Biedenkopf eingeweiht wurde, Ende der 1960er ein Ausgangspunkt der sogenannten „Heimrevolte“.

Mit den damaligen heftigen Auseinandersetzungen wurden auch hier in Biedenkopf die Verhältnisse in deutschen Heimen angeprangert; in den folgenden Jahren entwickelte sich die Heimreform, auf die viele der heute geltenden Standards in Wohngruppen der Kinder- und Jugendhilfe zurückzuführen sind. „Nunmehr sind 50 Jahre vergangen und wir möchten an die damals noch weit verbreiteten Missstände in sehr vielen deutschen Heimen erinnern“, so Heinz Jürgen Göbel, „um vor allem die heutigen Standards und pädagogischen Grundhaltungen zu würdigen – dazu bietet sich die Ausstellung der EKHN als Aufhänger sehr gut an und man kann Standortbezogen die vielen wichtigen Veränderungen nachvollziehen.

Im Vorfeld wurden zu dem anlässlich von „30 Jahre UN-Kinderrechten“ mehrere Aktionen innerhalb des St. Elisabeth-Verein e.V. initiiert. Die „Aktion Mensch“ unterstützt dabei interessante Projekte mit Kindern, die sich damit befassen. Der bekannte Kinderbuchillustrator Dirk Steinhöfel hat auch Schulkindern der Hinterlandschule und anderer Schulen spannende Ideen verwirklicht.

„Insofern haben wir eine sinnstiftende Trilogie: Kinder in Heimen 1945 bis 1975 – Staffelbergkampagne in Biedenkopf 1969 – und 60 Jahre UN-Kinderrechte“, so Göbel.

Am Sonntag, 29. September, wird die Ausstellung im evangelischen Gemeindehaus im Anschluss an den Familiengottesdienst zum Erntedank, der um 10 Uhr in der benachbarten Stadtkirche stattfindet, eröffnet. Dort stehen Heinz Jürgen Göbel und weitere Ansprechpartner zur Verfügung.

Vor 50 Jahren war das Jugendheim Staffelberg in Biedenkopf ein Ausgangspunkt der sogenannten „Heimrevolte“ – einem Wendepunkt in der Heimerziehung – und steht damit auch im Zusammenhang der aktuellen sozialpädagogischen Kinder- und Jugendhilfe nicht nur im Hinterland. Die Ausstellung „Kinder in Heimen“ befasst sich auch mit dieser Geschichte. (Foto: Jürgen Jacob)

Anschließend ist die Ausstellung bis zum 13. Oktober täglich von 9 bis 18 Uhr im Gemeindehaus Biedenkopf (Bei der Kirche 11, 35216 Biedenkopf) zu sehen. Vom 14. Oktober bis 25. Oktober ist dann die Ausstellung zu den Öffnungszeiten des Rathauses im Rathaus-Saal (Hainstraße 63, 35216 Biedenkopf) zu sehen. Jürgen Jacob

Hintergrund „Ausstellung Kinder in Heimen von 1945 bis 1975“

Auf zwölf Tafeln wird die Geschichte evangelischer Kinderheime im Gebiet der EKHN nachgezeichnet. Die Schau trägt den Titel „Kinder in Heimen von 1945 bis 1975“. Sie setzt sich mit dem Alltag in den evangelischen Einrichtungen ebenso auseinander wie mit dem Verständnis von Einrichtungen jener Zeit als „totale Institution“ und dem Thema Missbrauch.

Die EKHN und die Diakonie Hessen haben sich seit 2012 in einem Projekt mit Fragen der Heimerziehung in der Nachkriegszeit bis Mitte der 1970er Jahre (Beginn der Heimreform) auseinandergesetzt. Bei diesem Projekt ging es vor allem um Aufarbeitung und Wiedergutmachung. Die Ergebnisse dieser Auseinandersetzung zeigen sich in vielfältiger Weise in der Ausstellung und der begleitenden Publikation. Ziel der Initiatoren ist es auch, die Notwendigkeit von adäquater personeller und fachlicher Ausstattung in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die Unabdingbarkeit eines von Respekt geprägten Menschenbildes und der Sensibilität im Umgang mit Schutzbefohlenen sichtbar zu machen.