Gladenbach-Runzhausen. Am 2. Oktober wird Erntedank gefeiert – und diesen Gottesdienst wollen die Christen in Runzhausen möglichst wieder in ihrer alten Kirche feiern. Pfarrerin Christina Ronzheimer ist zuversichtlich, dass der Termin dieses Mal eingehalten wird.

Bisher allerdings hat das mit den Terminen und Planungen nicht so ganz geklappt. Denn die Renovierung der alten Fachwerkkirche in dem Gladenbacher Stadtteil hat nicht nur länger gedauert als ursprünglich geplant, sondern auch mehr gekostet: Die ursprünglich angesetzte Summe von 250 000 Euro ist auf 300 000 Euro gestiegen.

Von den Gesamtkosten wird die Evangelische Kirche in Hessen-Nassau (EKHN) 224 000 Euro übernehmen. 20 000 Euro steuert das Landesamt für Denkmalpflege dazu. Den Rest, also 56 000 Euro, muss die Evangelische Kirchengemeinde Runzhausen-Bellnhausen-Rachelshausen, die sich selbst mit dem Kunstwort “RuBelRa” abkürzt, selbst aufbringen.

Die Runzhäuser "Kaffeemühlen"-Kirche strahlt von außen bereits in neuem Glanz, während die Sanierung im Inneren weitergeht. (Foto: Peter Piplies)

Die Runzhäuser “Kaffeemühlen”-Kirche strahlt von außen bereits in neuem Glanz, während die Sanierung im Inneren weitergeht. (Foto: Peter Piplies)

Neben der Kaffeemühlenkirche haben die rund 700 evangelisch-lutherischen Christen der “RuBelRa” noch die Fachwerkkirche in Rachelshausen, den Gottesdienstraum in Bellnhausen sowie das Gemeindehaus und das Jugendcafé in Runzhausen zu pflegen und zu unterhalten.

Im Zuge der Innensanierung sollen auch die Sprüche und Malereien der Staffiermaler Georg Ernst Justus und Sohn Johann August Kaiser von Gladenbach wieder neu heraugearbeitet werden. (Foto: Peter Piplies)

Im Zuge der Innensanierung sollen auch die Sprüche und Malereien der Staffiermaler Georg Ernst Justus und Sohn Johann August Kaiser von Gladenbach wieder neu heraugearbeitet werden. (Foto: Peter Piplies)

Daher ist die Pfarrerin froh und stolz auf ihre Kirchenmitglieder, die seit dem Spendenaufruf zu Sanierungsbeginn schon über 15 000 Euro zusammengebracht haben. Einige Christen überweisen regelmäßig einen festen Betrag. Andere haben eine größere Summe auf einmal gespendet, erläutert die Theologin. 6500 Euro seien zudem bei einem Sponsorenlauf rund um den Fachwerkbau zusammengekommen, erzählt sie.

Das Engagement der Runzhäuser für ihre 1781 von Georg Blecher erbaute “Kirche im Dorf” hat eine wechselhafte Geschichte. Durch den Neubau für damals 1000 Gulden haben sich die Dorfbewohner vor 235 Jahren wahrscheinlich etwas “übernommen”, vermutet Pfarrer Peter Voß in seiner Chronik. “Es kam noch schnell eine Kanzel in die Kirche – übrigens eine hervorragende, original Hinterländer Intarsienarbeit aus der Zeit um 1780. Die Empore und Bänke erhielten einen Lasuranstrich und dann war Schluss”, ist auf der Internetseite der RuBelRa nachzulesen. Erst drei Jahrzehnte später hatten die evangelisch-lutherischen Christen aus Runzhausen wieder Barmittel, um die Staffiermaler Georg Ernst Justus und Sohn Johann August Kaiser von Gladenbach ihre Fachwerkkirche ausschmücken zu lassen.

Martin Langold hat Spaß bei seiner Arbeit in der historischen Fachwerkkirche. Denn der Malergeselle interessiert sich auch privat für Fachwerkbau und heimische Geschichte. (Foto: Piplies)

Martin Langold hat Spaß bei seiner Arbeit in der historischen Fachwerkkirche. Denn der Malergeselle interessiert sich auch privat für Fachwerkbau und heimische Geschichte. (Foto: Peter Piplies)

Die Vermutung, dass sich die Runzhäuser mit ihrer neuen Kaffeemühlenkirche fast übernommen hatten, unterstreicht auch Martin Langold. Der Geselle des beauftragten Unternehmens “Maler Pitz” hat im Zuge der Renovierung die Außenbalken freigelegt und einen grau-schwarzen Erstanstrich vorgefunden. Langold vermutet, dass die Bauherren wegen Geldmangels das Gebälk zunächst mit einem Asche-Ruß-Leinölgemisch vor der Witterung schützten. Denn erst rund drei Jahrzehnte später sei das für die Gegend typische Ochsenblutrot aufgetragen worden. Damit findet sich auch die Erklärung, warum die Denkmalpflege für den Anstrich der Außenbalken nun die Farbe Schwarz vorgeschrieben hat.

Die Außenbalken waren es übrigens auch, die zu den unvorhergesehenen Verzögerungen geführt haben: Ursprünglich sollten die Gottesdienste nämlich weiter in der Kirche gefeiert werden, während der Fachwerkbau von außen saniert wird, erläutert Pfarrerin Ronzheimer. Doch als die Fachleute auf der Südseite unter die Verschieferung schauten, entdeckten sie durchweg marode Balken. Sofort wurde die Kirche ausgeräumt, die Gottesdienste ins Gemeindehaus verlegt und mit dem aufwändigen Austausch der betroffenen Balken begonnen.

Nun sind die beiden Wetterseiten wieder komplett verschiefert, und auch die anderen zwei Seiten mit sichtbarem Fachwerk erstrahlen in neuem Glanz – auf Grundlage der Baumethoden von 1781: Die Gefache, also der Raum zwischen den Holzbalken beim Fachwerkbau, wurden mit Lehmziegeln ausgemauert, mit Kalkputz versehen und gestrichen.

Auch im Inneren der Kirche folgen die Fachleute streng dem historischen Vorgehen. Sie haben den alten und vielfach losen Lehmputz von Decke und den Wänden geklopft, soweit möglich mit Wasser vermischt und wieder als Lehmputz neu aufgetragen.

Nach dem Trocknen bekommen die Wände und Decken noch ihren letzten Anstrich. Im Zuge dieser Innenarbeiten werden auch die Sprüche und Malereien von Georg Ernst Justus und seinem Sohn Johann August Kaiser wieder aufgefrischt und sollen dann schließlich in neuem Glanz erstrahlen – rechtzeitig zu Erntedank.

Von Peter Piplies (pp)