DEKANAT / Biedenkopf. Dank und Anerkennung für das in fast vier Jahrzehnten Geleistete haben die Abschiedsfeier für Pfarrer Gerhard Failing bestimmt. „Du hast dich sehr engagiert eingesetzt und immer wieder Neues angepackt, aber nicht für dich“, lobte Pröpstin Annegret Puttkammer den scheidenden stellvertretenden Dekan des Evangelischen Dekanats Biedenkopf-Gladenbach am Sonntag in der Biedenkopfer Stadtkirche, bevor sie ihn offiziell von seinen Pflichten entband.

Failing habe im Laufe seines „reichen und erfüllten Lebens als Pfarrer“ viele Aufgaben übernommen und nehme viele frohe, aber auch belastende Situationen mit in den Ruhestand. Gerade in seinen Leitungsfunktionen als Dekan, Stellvertretender Dekan, Mitglied der Kirchensynode und Vorsitzender des Regionalverwaltungsverbands habe der Seelsorger realistisch und visionär zugleich gehandelt und nicht nur die Fusion der beiden Dekanate mitgestaltet, sondern hinsichtlich der Regionalentwicklung auch sonst so manchen Leuchtturm gesetzt, sagte die Pröpstin.

Pröpstin Annegret Puttkammer hat Pfarrer Gerhard Failing (vorne, 2. und 3. v.l.) am Sonntagnnachmittag in den Ruhestand verabschiedet. Vor dem Gottesdienst stellten sie sich zusammen mit den Mitgliedern des Dekanatssynodalvorstands und den an der Feier Beteiligten zum Erinnerungsfoto auf. (Foto: Klaus Kordesch/eöa)

„Du bist von Gott auf diesen Weg geschickt worden, und das Evangelium hat dir Kraft dafür gegeben“, bekräftigte sie mit Blick auf die Vita des künftigen Ruheständlers. Besonderen Dank richtete sie auch an Sabine Failing, die als Ehefrau zugunsten der kirchlichen Termine und Aufgaben auch so manchen Abend auf ihren Mann habe verzichten müssen.

Fast bis auf den letzten Platz waren Stadtkirche und Gemeindehaus am Sonntag gefüllt, als Pfarrer Gerhard Failing nach 38-jähriger Dienstzeit in den Ruhestand verabschiedet wurde. (Foto: Klaus Kordesch/eöa)

Seine Predigt über die Heilung des Kranken am Teich Bethesda – laut Bibel nach 38 Jahren, also so lange wie seine Zeit im Pfarrdienst – verknüpfte Failing mit einigen Abschiedsworten. Jesu´ Aufforderung „Steh auf, nimm dein Bett und geh´ umher“ bezog der scheidende Seelsorger unter anderem auf den im Glauben immer wieder erforderlichen Perspektivwechsel. Nach 38 Jahren kenne man sich gut aus in seinem Umfeld und entwickle eine beruhigende Routine, aber darin liege auch die Gefahr der Gewöhnung, mahnte Failing und nannte als Beispiele für notwendige Auseinandersetzungen die Diskussionen um die Grundartikel-Ergänzung, die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare, die Fusion der Dekanate und aktuell die intensivierte Zusammenarbeit der Kirchengemeinden in Nachbarschaftsräumen.

„Nimm dein Bett und geh umher“: Der stellvertretende Dekan Gerhard Failing appellierte an die Gäste seiner Verabschiedung, im Glauben nicht in Routine und Resignation verfallen, sondern immer neu zu überlegen, wie sich das Evangelium zu den Menschen bringen lässt. (Foto: Klaus Kordesch/eöa)

Auch das Verständnis der Bibel müsse man immer wieder neu hinterfragen, unterstrich Failing: „Ich wünsche uns allen diese Neugier!“ Er forderte die Gemeinde auch dazu auf, den Blick auf die Glaubensgeschwister überall in der Welt zu richten. „Wir sind eine globale Gemeinde und dürfen nicht aufhören, uns darum Gedanken zu machen, wie wir das Evangelium zu anderen Menschen bringen können“, forderte er. Jesu´ Frage an den Kranken „Willst du gesund werden?“ und seine Aufforderung „Geh umher!“ bezog Failing auf die Situation der Kirche insgesamt: „Ich wünsche uns allen, dass wir uns herausrausreißen lassen aus der Resignation: Wenn wir uns von Jesus heilen lassen, brauch´ uns um die Zukunft nicht bange zu sein!“

Der Posaunenchor Simmersbach unter der Leitung von Torsten Reh gestaltete den Verabschiedungsgottesdienst musikalisch mit. (Foto: Klaus Kordesch/eöa)

Nach dem von der Dekanatskantorei Biedenkopf unter der Leitung von Dekanatskirchenmusiker Johann Lieberknecht und dem von Torsten Reh dirigierten Prosaunenchor Simmersbach eindrucksvoll musikalisch mitgestalteten Gottesdienst dauerte es eine ganze Weile, bis die vielen Besucher den Weg zum und ihren Platz im benachbarten Gemeindehaus gefunden hatten. Dort hielten sich wortreiche Ausführungen dank einer Grußwortmappe und Failings humoriger Einschätzung eines Grußwort-Marathons als „moderne Form der Christenverfolgung“ in überschaubaren Grenzen.

Nach 38 Jahren im aktiven Pfarrdienst hat Pröpstin Annegret Puttkammer dem stellvertretenden Dekan Gerhard Failing am Sonntagnnachmittag in der Biedenkopfer Stadtkirche mit Worten des Dankes seine Entpflichtungsurkunde überreicht. (Foto: Klaus Kordesch/eöa)

Mit „Danke, tschüss und Amen!“ – wie scherzhaft von Präses Britta Duchardt-Linneborn und Dekan Andreas Friedrich ins Spiel gebracht – war es allerdings nicht getan. „Unsere gemeinsam getragene Verantwortung endet nun“, verabschiedeten die beiden ihren scheidenden Stellvertretenden Dekan, der immer gerne diskutiert, mitgedacht und oft für die Sache anderes hintan gestellt habe. „Danke für deinen Dienst und für den gemeinsamen Weg!“

„Danke, tschüss, Amen“: Diese von ihnen scherzhaft als idealtypische Form eines Grußworts bezeichnete Kürze erreichten Dekan Andreas Friedrich und Präses Britta Duchardt-Linneborn beim Empfang im Gemeindehaus zwar nicht, drückten aber ihren Dank und ihre Anerkennung für die Verdienste des scheidenden Stellvertretenden Dekans Gerhard Failing ebenso wie die anderen Redner erfreulich kompakt aus. (Foto: Kordesch/eöa)

Auch Bürgermeister Joachim Thiemig erinnerte sich an die gute Zusammenarbeit zum Beispiel beim Kooperationsprojekt KiTa3K, die „geprägt von großer Verlässlichkeit und Fachkompetenz“ gewesen sei: „Dass die Zusammenarbeit mit den Kommunen so gut geklappt hat, ist auch ganz wesentlich dein Verdienst.“ Failing habe es verstanden, Menschen zusammenzuführen und Lösungen zu finden. Das bestätigte auch Rene Fünders als Leiter der Regionalverwaltung Nassau Nord. Darüber hinaus habe er während der „engen und vertrauensvollen Zusammenarbeit“ mit Failing als Vorsitzendem des Regionalverwaltungsverbands dessen ruhige Art als sehr wohltuend empfunden.

„Geprägt von großer Verlässlichkeit und Fachkompetenz“: Bürgermeister Joachim Thiemig dankte beim Empfang auch namens der anderen Bürgermeister für die gute Zusammenarbeit. (Foto: Kordesch/eöa)

Wir konnten uns streiten und verstehen“, sagte der Kreistagsvorsitzende und Pädikant Detlef Ruffert, der gemeinsam mit Failing in der Kirchensynode auch „unsere ländliche Kirche und das Hinterland“ gegen die Ballungsräume verteidigt habe: „Ich bin dankbar, gestärkt zu werden im Gespräch mit dir“, sagte er. Oberkirchenrat Frank Kopania, der aus dem Dekanat stammende Leiter der Abteilung Auslandsarbeit bei der EKD in Hannover, lobte den scheidenden Kollegen für dessen internationale Sichtweise, die abermals mit der Kollekte für die Near East School of Theology (NEST) im Libanon deutlich werde: „Du hast immer über den Tellerrand hinausgeblickt“, freute sich Kopania. Am liebsten würde er von allen persönliche Worte mitnehmen, dankte Failing und griff abschließend eine von Pröpstin Puttkammer erzählte Erinnerung auf: Als junger Pfarrvikar habe er sich beim ersten Besuch in der beeindruckenden Biedenkopfer Stadtkirche gewünscht, dort mal predigen zu können. Dass er dann hier 1995 bis 2016 Gemeindepfarrer sein und in den Ruhestand verabschiedet werden würde, habe er nicht im Traum gedacht. (klk/eöa)