“Wort zum Sonntag” für den 24. November 2019 (Ewigkeitssonntag)

von Pfarrer Andreas Friedrich, Dekan

Ich fand eine bissige Karikatur: Vor der Tür steht der Sensenmann, der Tod, und klingelt. Eine Frau öffnet einen Spalt und sagt: „Nein danke, wir sterben nicht!“

Wenn es doch so einfach wäre! Manche suchen die schnelle Abkürzung und hängen schon die Advents-Lichterketten auf, aber diese „schweren“ Themen im Kirchenjahr gehören genauso zu unserem Leben wie Freude, Licht, Glühwein und festliche Zeiten: Novemberblues, Volkstrauertag – und morgen der Ewigkeitssonntag.

Der November ist in besonderer Weise auch der Tränen-Monat. Viele Menschen weinen. Unvorstellbare etwa 40 Badewannen voller Tränen sollen – wer hat das gezählt? – jeden Tag (!) allein in Deutschland geweint werden. Für einen Liter braucht es ca. 66.000 Tränen. Auch wenn da ein paar Freudentränen dabei sind: Wer kann sich dieses Leid vorstellen? Und wie kann man damit leben?

Glaube, Liebe, Hoffnung: Das sind die „big three“ des christlichen Glaubens. Unsere Grund-Werte, das, was wertvoller ist als alles andere: Glaube, Liebe, Hoffnung! Was wir in uns oft wenig haben, aber wir leben aus der Überzeugung: Gott schenkt uns gerade davon genug zum Leben! Unter anderem Hoffnung: Das Schwere wird nicht schön geredet und nicht weggeleugnet. Doch Christen überlassen ihm nicht das letzte Wort. Sie widersprechen: Wir sind gehalten – von Gott, der (denken Sie an Jesus Christus!) um Leid und Tod keinen Bogen gemacht hat, sondern darin genauso zuhause ist wie im Glück. Das ist die gute Nachricht, die große Hoffnung, mit der wir leben: Gott ist da. Er ist für uns und bei uns. Und das nicht nur für den Moment. Oder bis nächsten Monat. Oder bis zu unserem letzten Atemzug. Nein, auf immer! Ohne Ende! Gott steht hinter Leid und Sterben, und nichts trennt uns von seiner Liebe! Damit lässt sich auch der November aushalten!

Pfarrer Andreas Friedrich ist Dekan des Evangelischen Dekanats Biedenkopf-Gladenbach