DEKANAT / Steffenberg-Oberhörlen. Rund um den Globus sind am Freitag Weltgebetstags-Gottesdienste gefeiert worden, die in diesem Jahr einer gemeinsamen Liturgie aus Simbabwe folgten. Allein in den Gemeinden im Evangelischen Dekanat Biedenkopf-Gladenbach waren es rund 20 ökumenische Gottesdienste. Auch in Oberhörlen kamen rund 60 Frauen und auch einige Männer zusammen, um sich mit dem mutmachenden Thema „Steh auf und geh!“ auseinanderzusetzen.

Das Jesuswort bezieht sich auf den Bibeltext von der Heilung des Gelähmten am Teich Bethesda und stand im Mittelpunkt des Gottesdienstes im evangelischen Gemeindehaus, den eine dreiköpfige Projektband und der zum mehrstimmigen Chor umfunktionierte Frauenkreis musikalisch begleitete.

Teils in afrikanische Gewänder gekleidet bereicherte der Frauenkreis mit mehrstimmigen Liedern den Weltgebetstags-Gottesdienst in Oberhörlen. (Foto: Klaus Kordesch/eöa)

Die Besucherinnen überlegten anhand eines Anspiels zum Thema „Steh auf und geh“, was uns im Alltag niederhält, was unsere Heilung verhindert und was wir zum Aufstehen bräuchten.

Was hindert mich am Aufstehen, was drückt mich nieder? Im Anspiel machten sich beim Weltgebetstags-Gottesdienst in Oberhörlen (v.l.) Margot Krug (von hinten) Heidrun Schmitt, Susanne Föste und Margit Becker Gedanken. (Foto: Klaus Kordesch/eöa)

Eine zentrale Rolle spielte außerdem die Situation der Menschen und im Besonderen der Frauen in Simbabwe, das das Vorbereitungsteam eingangs kurz mit einem bebilderten Vortrag vorstellte. Von der Fläche her sei das Land, das auch wegen seiner einmaligen Natur und der Victoriafälle weltweit bekannt ist, mit Deutschland vergleichbar. Allerdings leben im Simbabwe nur rund 14 Millionen Menschen gegenüber den etwa 83 Millionen in Deutschland, erfuhren die Besucher, darunter viele aus den Nachbargemeinden Wolzhausen, Quotshausen und vom Roth.

„Haltet eure Hände und eure Herzen offen“ lautete die Botschaft beim Weltgebetstag-Treffen. (Foto: Klaus Kordesch/eöa)

Trotz einer – allerdings unglücklich umgesetzten – Landreform und veränderter politischer Verhältnisse leidet die ehemals als „Kornkammer Afrikas“ geltende frühere britischen Kronkolonie unter vielen Problemen wie der Abwanderung und der seit 20 Jahren herrschenden Wirtschaftskrise. Diskriminierung, Unterdrückung und Gewalt gegen Frauen sind in der patriarchalischen Gesellschaft tief verwurzelt, wie das Vorbereitungsteam beispielsweise mit kurzen szenischen Anspielen veranschaulichte: Da es kaum Hilfsangebote für traumatisierte Frauen gibt, finden sie auf sogenannten „Freundschaftsbänken“ ältere speziell geschulte Ansprechpartnerinnen, denen sie von ihren ermordeten Verwandten, ihrer zerstörten Kindheit und ihrer verlorenen Heimat berichten können und im Gegenzug Trost und Hoffnung erfahren.

Auf sogenannten Freundschaftsbänken finden die Frauen in Simbabwe mit ihren Nöten und Sorgen geschulte Ansprechpartnerinnen, wie Heidrun Schmitt (li) und Margot Krug in Oberhörlen mit einem Anspiel veranschaulichten. (Foto: Klaus Kordesch/eöa)

In vom Vorbereitungsteam vorgelesenen Briefen von Frauen aus Simbabwe klingt bei allen existentiellen Sorgen auch immer wieder die Hoffnung durch: So gebe es mittlerweile Gesetze, die die Frauen vor Gewalt schützen sollen. „Wir sind alle Teil der Weltgebetstags-Gemeinschaft, aber ihr tragt die Lasten der globalen Wirtschaft“, lautete eine Erkenntnis des Abends. „Haltet eure Hände und eure Herzen offen“, lautete denn auch der Appell an die Anwesenden, die zum Abschluss noch wie nach vielen anderen Weltgebetstags-Treffen anderswo auch zu einem reichhaltigen Buffet mit landestypischen beziehungsweise afrikanischen Spezialitäten eingeladen waren. (klk/eöa)

Für den passenden Sound sorgten in Oberhörlen (v.l.) Leonie Jacobi, Martina Krug und Dorina Dusny-Schmidt. (Foto: Klaus Kordesch/eöa)

Leckere afrikanische Speisen konnten die Besucherinnen des Weltgebetstags-Gottesdienst in Oberhörlen und auch an vielen anderen Orten im Anschluss kosten. (Foto: Klaus Kordesch/eöa)

In Oberhörlen haben sich beim WGT-Treffen rund 60 Frauen und auch einige Männer mit dem mutmachenden Thema „Steh auf und geh!“ beefasst. (Foto: Kordesch/eöa)

 

Der passend zum Themenland Simbabwe dekorierte Altar in Oberhörlen. (Foto: Klaus Kordesch/eöa)