DEKANAT. Der Tansania-Arbeitskreis (TAK) des Evangelischen Dekanats Biedenkopf-Gladenbach hat angesichts der durch die Corona-Pandemie ausgelösten dramatischen Lage in den tansanischen Partner-Distrikten ein Nothilfe-Programm beschlossen. Außerdem richtet das Gremium um Dekan Andreas Friedrich und die Partnerschafts- und Ökumenereferentin des Dekanats, Marion Schmidt-Biber, eine dringende Spendenbitte an die Öffentlichkeit.

Schon im März hatte der TAK eigentlich für Seminare im Kituntu- und Ngara-District angewiesene Mittel in Höhe von zusammen 4000 Euro für Präventionsmaßnahmen freigegeben. Weitere 2000 Euro, die ursprünglich für den Kauf von medizinischem Gerät für die Krankenstation Katenga verwendet werden sollten, mussten für Schutzmaßnahmen wie Masken, Handschuhe, Desinfektionsmittel, Thermoscanner und die Schaffung zusätzlicher Waschgelegenheiten verwendet werden.

Die Herstellung der Waschgelegenheiten für die einzelnen Gemeinden des Ngara-Districtes sowie Reverend Oscar und Reverend Theobard bei der Übergabe der Waschgelegenheiten. (Foto: Dekanat / privat)

Seit Beginn der Corona Pandemie sind auch in Tansania die Preise für Material wie Masken und Handschuhe und Desinfektionsmittel stark angestiegen“, sagt Marion Schmidt-Biber. Nach Auskunft von Yoram Karusya, dem Generalsekretär der Karagwe-Diözese, sind auch die Preise für Lebensmittel in die Höhe geschnellt. Durch geschlossene Grenzen zu Nachbarländern und der Einstellung des Flugverkehrs fehle es an Nachschub, die Regale in vielen Läden seien leer, der Handel sei praktisch zusammengebrochen. „Die Auswirkungen von Corona sind derzeit noch schlimmer für die Menschen als die Seuche selbst“, sagt die Ökumenereferentin. Offiziell bestätigt sind in den Partnerschafts-Regionen nur wenige Coronafälle. „Die Lage ist unübersichtlich, es gibt keine genauen Zahlen“, sagt Schmidt Biber. Fehlende Testmöglichkeiten und die hohe Auslastung des einzigen von der Regierung beauftragten Testzentrums in Dar es Salaam seien Gründe dafür.

Einen kompletten Lock-Down gebe es in Tansania nicht, doch Schulen, Kindergärten und Universitäten sind seit März geschlossen, erläutert Marion Schmidt-Biber. Zum Schutz der weiteren Ausbreitung haben einige Kirchen, darunter die Karagwe-Diözese, Gottesdienste bis auf weiteres ausgesetzt. Da aufgrund der fehlenden Kollekten und Einnahmen die kirchlichen Mitarbeitenden und Lehrer der dazugehörigen Schulen keine Gehälter erhalten, sieht der TAK dringenden Handlungsbedarf. Die Mitglieder des Gremiums haben eine einmalige Nothilfe über insgesamt 11.300 Euro für die kirchlichen Mitarbeitenden im Kituntu- und  Ngara-District, in Nkwenda und der Tegemeo-Schule beschlossen, aus der jeder der knapp 150 Betroffenen einmalig 200 000 Tansanische Schillinge erhält – das entspricht etwa 80 Euro, was knapp einem halben Monatsgehalt der Lehrer und Pfarrer entspricht: „Rechnet man die Preise für jeweils ein Kilo von Grundnahrungsmittel wie Reis, Mais, Zucker und Öl zusammen, kommt man auf einen Betrag von etwa 3,50 Euro“, so Schmidt-Biber: „wie weit eine sechs- bis achtköpfige Familie damit kommt, mag man sich ausrechnen.“

Die Evangelisten des Kituntu-Distrikts sind mit Masken ausgestattet worden. (Foto: Dekanat / privat)

Außerdem erhalten die Distrikte Kituntu und Ngara orientiert an der Zahl ihrer Kirchspiele zunächst 2500 beziehungsweise 2000 Euro zur Unterstützung notleidender Familien und jeweils noch einmal die gleiche Summe für das Beschaffen weiterer Präventionsmaßnahmen wie Desinfektionsmittel, Handschuhe, Masken und Waschgelegenheiten. „Die Handhygiene ist sehr schwierig in Gegenden, wo es vielerorts kein fließendes Wasser gibt“ macht die Referentin bewusst. Auch die Schulen müssten umfangreiche Vorsorge treffen, um die Kinder bei der Wiederaufnahme des Unterrichts zu schützen. Für zusätzliche Waschgelegenheiten und das Beschaffen von Schutzartikel wie Desinfektionsmitteln etc. stellt der TAK jeweils 2000 Euro zur Verfügung.

Möglich wird die Nothilfezahlung durch nicht zweckgebunden festgelegte Rücklagen der Partnerschaftsarbeit, die für Projektanfragen oder Notlagen vorgehalten werden. Um die Corona-bedingten Notlagen in den Partnergemeinden und -distrikten abmildern und auch weiterhin Projekte fördern zu können, bitten Dekan Friedrich und Ökumenereferentin Marion Schmidt-Biber im Namen des Tansania-Arbeitskreises um Spenden. „Angesichts der Not ist unsere Spende ist zwar nur ein kleiner Beitrag, aber er sichert für viele Menschen das tägliche Überleben für eine Zeit“, appellieren sie.

Wer den Menschen in Kituntu, Ngara, Nkwenda und Tegemeo finanziell helfen möchte, kann seinen Beitrag unter dem Verwendungszweck „Corona-Nothilfe Tansania / Abrechnungsobjekt 38 30 15“ auf das Konto der Evangelischen Regionalverwaltung Nassau Nord überweisen (IBAN DE77 5206 0410 0604 1002 63 – BIC: GENODEF1EK1). (klk/eöa)

Die Fotos wurden per Messenger aus Tansania gesendet und liegen leider nur in dieser Druckqualität vor.

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