Etwa 3.000 Menschen leben in Hessen dauerhaft auf der Straße. Sie haben es in Hessen weiterhin schwer, eine Wohnung zu finden. Zum Tag der Wohnungslosen am 11. September sagt Wilfried Knapp, Vorstand der Diakonie Hessen: „Wohnungslose Menschen fallen in Hessen durch alle Raster.”

“Noch immer gibt es keine umfassende Statistik, mit der das ganze Ausmaß der Situation der wohnungslosen Menschen erfasst wird”, mahnt Knapp: “Auch die bisherigen Anstrengungen der Landesregierung, mehr und vor allem bezahlbaren Wohnraum zu schaffen reichen nicht aus.“

„Wer einmal auf der Straße lebt, hat schlechte Aussichten, wieder auf dem regulären Markt eine Wohnung zu finden“, sagt auch Stefan Gillich, Referent für Wohnungsnotfallhilfe der Diakonie Hessen. „Wohnungslose Menschen sind doppelte Verlierer. Die derzeitige Wohnungspolitik nimmt vor allem die sogenannte Mittelschicht in den Blick. Doch gerade die Menschen, die schutzlos auf der Straße leben, brauchen unsere Unterstützung. Wir dürfen es nicht zulassen, dass wohnungslose Menschen weiterhin stigmatisiert werden und als „Obdachlose“ auf dem Wohnungsmarkt nicht berücksichtigt werden.”

Weitere Informationen

 Aktionsprogramm „Wohnungslosigkeit überwinden“

Die Diakonie Hessen fordert von der Politik ein landesweites Aktionsprogramm, um die Wohnungslosigkeit zu überwinden. Es sieht folgende Maßnahmen über die nächsten Jahre vor:

–       Erstellung von mindestens 40 Prozent der Neubauten als sozial geförderten Wohnraum, sowie Schaffung von 20 Prozent preisgünstigen Wohnraum

–       Einführung einer landesweiten integrierten Wohnungsnotfallstatistik;

–       Landesweite Untersuchung zu Umfang, Struktur und Hilfen für Menschen in Wohnungsnotlagen;

–       Förderprogramm zum Aufbau kommunaler Fachstellen zur Verhinderung von Wohnungsverlusten im ländlichen Raum;

–       Förderprogramm „Pro Wohnen“ zur Förderung von Netzwerken zur Prävention von Wohnungsverlusten und zur Erschließung von Wohnraum;

 

Wohnungsnotfallhilfe Diakonie Hessen

In etwa 40.000 Beratungsgesprächen jährlich unterstützen die Mitarbeitenden in den Diensten und Einrichtungen der Wohnungsnotfallhilfe der Diakonie Hessen Ratsuchende. Rund 250.000 Besuche und Kontakte gab es 2018 in den 85 verschiedenen Diensten und Einrichtungen für wohnungslose Menschen an 15 verschiedenen Standorten der Diakonie Hessen. Dazu gehören Fachberatungsstellen, aber auch Tagesaufenthalte mit Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung, Einrichten einer Postadresse, Gelegenheit zum Wäschewaschen, Trocknen, zur Körperpflege oder auch zur Zubereitung von warmen Mahlzeiten. Darüber hinaus bieten Einrichtungen Übernachtungs- und Wohnmöglichkeiten oder betreutes Wohnen an. Zudem gibt es Streetwork und an sechs Standorten eine medizinische Erstversorgung.

Zahlen zur Wohnungsnotfallhilfe

In Hessen gibt es keine landesweite umfassende Wohnungsnotfallberichterstattung. Gesicherte Informationen über Umfang, Struktur und Hilfen für Menschen in Wohnungsnotlagen liegen ebenso wenig vor wie eine Übersicht über die Anzahl wohnungsloser Menschen. Die Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen erfasst daher alle zwei Jahre flächendeckend diejenigen Menschen, die an einem bestimmten Tag (dem Stichtag) die Dienste und Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe der ihr angeschlossenen Verbände in Anspruch nehmen bzw. aufsuchen. Die Diakonie Hessen ist einer von sechs Verbänden, die sich in der Liga Hessen zusammengeschlossen haben. Gemeinsam setzen sie sich für optimale soziale Rahmenbedingungen für die Menschen in Hessen ein. www.liga-hessen.de

Kampagne „Jeder Mensch braucht eine Wohnung“

Mit der Kampagne „Jeder Mensch braucht eine Wohnung“ macht die Diakonie Hessen auf die Situation von wohnungslosen Menschen aufmerksam. Mit Plakaten und Postkarten kämpft die Diakonie Hessen gegen die Stigmatisierung der Wohnungslosen an und wirbt um Unterstützung und für Spenden. Mehr Informationen zur Kampagne und zur Situation der Wohnungslosen finden Sie unter www.jeder-mensch-braucht-eine-wohnung.de